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Türkische Chronik (XVII):Wer ist der Major H. A.?

Die Geschichte über ihn blieb ein Geheimnis, bis kürzlich der AKP-Abgeordnete Selçuk Özdağ, Mitglied des Parlamentausschusses zum Putschversuch, sagte, nicht nur der Major, sondern auch ein einfacher Soldat habe seinerzeit über den Aufstand informiert. Beide, fügte Özdağ etwas bizarr hinzu, säßen seitdem in Untersuchungshaft, angeblich "zu ihrer eigenen Sicherheit".

Konsequenterweise hätte die Regierung die beiden Soldaten zu Helden erklären müssen. Stattdessen verbringen sie ihre Zeit hinter Gittern. Man fragt sich, warum. Auch fünf Monate nach dem Putschversuch, bei dem 246 Menschen getötet wurden, tappen die Journalisten, die herausfinden wollen, was wirklich in dieser Nacht passiert ist, im Dunkeln.

Viele Details passen nicht zur offiziellen Version der Ereignisse. Eines stammt von Oberst Davut Alas Aussage vor dem Parlamentsausschuss. Ala war Kommandeur einer Kaserne in Istanbul. Er sagte aus, dass er um 17.04 Uhr eine SMS erhielt, die an alle wichtigen Offiziere der Armee im Gebiet um Istanbul gesendet wurde. Die Nachricht listete mindestens zehn große Gebiete und alle wichtigen Land- und Seestraßen auf. Für diese Gebiete bestehe für die Zeit vom 15. bis 17. Juli hohe Terrorgefahr.

Ala kam das merkwürdig vor. "Normalerweise würde solch ein Alarm ein Gebiet nennen und einen Tag, aber nicht drei", sagte er. "Es war völlig klar, dass es sich hier um die Vorbereitung eines Putsches handelte." Niemand fragte, ob er seine Vorgesetzten informiert habe.

Was nach dem eiligen Besuch des Majors H.A. in den Gebäuden des Nachrichtendienstes passierte, schafft noch mehr Unklarheiten. Um 16.20 Uhr telefoniert Nachrichtendienst-Chef Hakan Fıdan mit dem stellvertretenden Generalstabsschef. Um 16.30 Uhr telefoniert er mit dem Generalstabschef Hulusi Akar. Um 18 Uhr schickt Fıdan seinen Stellvertreter in die Armeezentrale. Um 18.30 Uhr trifft er selbst Akar. Was zwischen 18.30 und 22 Uhr, der Zeit des Putschbeginns, passierte, ist mehr oder weniger völlig unbekannt.

Worüber sprachen Fıdan und Akar?

Einige sagen, Fıdan habe den General darüber informiert, dass in den Kreisen des Militärs möglicherweise ein Attentat auf ihn geplant werde. Er habe in diesem Zusammenhang den Akıncı-Flughafen erwähnt, das Strategiezentrum der Putschisten. Dem offiziellen Narrativ zufolge befiehlt Akar, mehr oder weniger gleichgültig, seinem Kommandeur für die Bodentruppen, er solle "hingehen und gucken, was da los ist". Der Kommandeur tut es. Auf dem Flughafen wird er entführt.

Währenddessen verlässt Fıdan, das Ziel der mutmaßlichen Attentatspläne, die Armeezentrale. Er bleibt in der Nacht, in der der Putsch losgeht, noch lange unerreichbar. Ein Zeitungsbericht sagt, er sei zu einer Geburtstagsfeier gegangen. Wir wissen auch, dass er weder Präsident Erdoğan noch Premierminister Yıldırım anrief.