Heimkino Warum Hollywoodfilme auf dem Fernseher oft so mies aussehen

Tom Cruise (links), Christopher McQuarrie am Set von "Top Gun 2".

(Foto: Twitter)
  • Bei vielen neuen High-Definition-Fernsehgeräten ist das sogenannte "Motion Smoothing" vorinstalliert.
  • Die Bildbearbeitung reduziert unscharfe Stellen, indem es die Bildrate erhöht. So werden besonders Sportübertragungen flüssiger.
  • Die Technik hat jedoch auch einen Nebeneffekt: teure Hollywoodproduktionen sehen plötzlich künstlich und flach aus, weil sie nur mit 24 Bildern pro Sekunde gedreht wurden.
Von David Steinitz

Tom Cruise trägt eine Pilotenuniform, auch wenn das mit seiner Mission in diesem Fall nichts zu tun hat. Der Hollywoodstar dreht nur gerade den Blockbuster "Top Gun: Maverick", die Fortsetzung seines alten Kinohits "Top Gun" von 1986. Und in einer Drehpause hat er schnell im Kostüm ein Video aufgenommen, das er am Donnerstag auf seinem Twitterkanal veröffentlichte.

Darin erklärt er, gemeinsam mit dem Filmemacher Christopher McQuarrie, der am Drehbuch des "Top Gun"-Sequels mitgeschrieben und Cruise unter anderem in "Mission: Impossible - Fallout" inszeniert hat, was auch viele Filmfans zu Hause beschäftigt: Warum zum Teufel sehen sündhaft teure Hollywoodfilme, die für viele Millionen Dollar mit aufwendiger Technik gedreht wurden, auf modernen Fernsehgeräten oft so aus, als habe man aus Versehen eine billige Vorabendserie eingeschaltet?

Das Phänomen tritt auf neuen, hochauflösenden High-Definition-Fernsehgeräten auf und trägt in der Umgangssprache tatsächlich den Namen "Soap-Effekt". In der Fachsprache nennt man es "Motion Interpolation" oder auch "Motion Smoothing". Das ist eine Form der Bildbearbeitung, die, wie Cruise in seinem Video mit ernster Stimme erklärt, "bei den meisten HD-Geräten bereits voreingestellt ist".

Spielfilme sehen plötzlich künstlich, flach und blass aus

Sie reduziert unscharfe Stellen und Ruckel-Effekte, um eine möglichst glatte und flüssige Optik zu erzeugen. Das funktioniert, indem durch Motion Smoothing die ursprünglich vorhandene Bildrate - bei einem Spielfilm sind das klassischerweise 24 Bilder pro Sekunde - durch einen Algorithmus hochgerechnet wird.

Die Technik, die es schon seit einigen Jahren gibt, berechnet aus den vor- und nachfolgenden Bildern zusätzliche Bilder, die dazwischen eingefügt werden. Alle Bewegungen, Hintergründe, Kontraste und auch mögliche Perspektivwechsel werden dabei so gut es geht berücksichtigt.

Dadurch erhöht man die Frequenz der Bildfolge drastisch. An sich kann man das Verfahren durchaus als technische Errungenschaft bezeichnen, weil zum Beispiel Sportübertragungen, für die das Motion Smoothing hauptsächlich gemacht ist, dadurch deutlich besser geworden sind. Und weil viele Menschen vor allem für Sportsendungen neue Fernsehgeräte anschaffen, übernehmen es viele Hersteller schon bei der Lieferung in die Voreinstellungen.

Aber, wie Cruise in seinem Video sagt: "Die Sache hat auch einen unglücklichen Nebeneffekt." Spielfilme, die mit 24 Bildern pro Sekunde gedreht und nun auf bis zu 50, 60 Bilder pro Sekunde hochgetunt werden, sehen plötzlich künstlich, flach und blass aus - eben wie eine billige Soap. Das liegt daran, dass Filmbilderfolgen viel komplizierter hochzurechnen sind als andere Inhalte. Der Algorithmus ist oft überfordert.

Das Frequenzproblem gab es schon immer bei TV-Versionen von Filmen, weil Fernsehsender grundsätzlich mit einer höheren Bildfrequenz arbeiten als Kinos. Deshalb sind Spielfilme im TV auch kürzer als im Kino, sie werden schlicht schneller gesendet. Aber so heftig wie beim Motion Smoothing war es eben noch nie. Deshalb fordern Cruise und McQuarrie in ihrem kurzen Clip die Zuschauer auf, ihr Fernsehmodell zu googeln, um die Einstellungen so zu ändern, dass Hollywoodfilme auch daheim wieder nach Hollywoodfilmen aussehen. Diese Botschaft senden sie natürlich nicht ganz uneigennützig, sondern weil in diesen Tagen ihr gemeinsamer Actionfilm "Mission: Impossible - Fallout" auf DVD und Blu-Ray erscheint. Tatsächlich ist das Motion Smoothing aber auch vielen anderen Künstlern ein Dorn im Auge. Rian Johnson, Regisseur von "Star Wars - Die letzten Jedi" bezeichnete das Verfahren als "flüssigen Durchfall".

Und die Regisseure Christopher Nolan ("Dunkirk") und Paul Thomas Anderson ("There Will Be Blood") wandten sich in einem offenen Brief an die Herstellerfirmen, um das Problem anzusprechen. Darin schrieben sie: "Moderne TV-Geräte besitzen außergewöhnliche technische Fähigkeiten. Es ist wichtig, dass wir diese neuen Technologien nutzen, damit die Zuschauer daheim unsere Arbeit so nah wie möglich an unserer ursprünglichen künstlerischen Absicht sehen."

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