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Street-Art von Banksy:Willkommen im britischen Nationalismus

Der Street-Art-Künstler Banksy hat in Dover einen Brexit-Kommentar an eine Hauswand gesprüht. Er ist wenig subtil - gewinnt aber Kraft aus dem Kontext, in dem er steht.

Von Jakob Biazza

Nationalstolz wird ja besonders gerne in Hafenstädten zur Schau gestellt. Gut sichtbar für alle, die von der Seeseite ankommen. Das hängt mit der Wahrnehmung der Städte zusammen. Sie gelten der Welt schließlich als Tore zu ihren jeweiligen Ländern und so ein Empfang soll selbstbewusst einladend sein. In New York empfängt also die Freiheitsstatue, in Sydney und Hamburg sind es prunkvolle Opernhäuser. Und in Dover grüßt seit Sonntag britischer Protektionismus. Das wäre der inhaltliche Clou von Banksys neuestem Werk.

Der Street-Art-Künstler hat in der südostenglischen Hafenstadt ein monumentales Brexit-Kunstwerk an einer Hauswand hinterlassen. Ein Foto davon erschien am Sonntag auch auf dem verifizierten Instagram-Account Banksys. Es wurde offenbar über Nacht gemalt. Zu sehen: eine mehrere Meter hohe quadratische EU-Flagge, aus der ein Handwerker einen Stern herausmeißelt. Eine Sprecherin des Künstlers hat die Echtheit des Werkes bestätigt.

An artwork attributed to street artist Banksy, depicting a workman chipping away at one of the 12 stars on the flag  of the European Union, is seen on a wall in the ferry  port of Dover

Das Bild gewinnt seine Kraft aus dem Kontext: Hafenstädte gelten schließlich als Tor zu ihren Ländern.

(Foto: REUTERS)

Für sich ist das Bild - wie viele Werke des Künstlers - freilich eine wenig subtile Botschaft. Im Stadtkontext, ohne den Street-Art ja selten zu denken ist, entwickelt sein Kommentar aber durchaus Charme. Wer über den Ärmelkanal ankommt, dem leuchtet gelb auf blau nun sinngemäß entgegen: "Willkommen in Großbritannien - dem Land, das gerade aus der EU drängt und wie kaum ein zweites für Nationalismus und Abschottung steht."

Banksy, dessen Identität immer noch ungeklärt ist, hat in den vergangenen Jahren immer wieder mit politischen Botschaften Aufsehen erregt. Kürzlich eröffnete er ein Hotel in Bethlehem, von dessen Zimmern aus die Gäste auf die Mauer zwischen Israel und dem Westjordanland schauen. Das "Walled Off Hotel" wirbt konsequenter Weise damit, den "hässlichsten Ausblick der Welt" zu haben.

© SZ.de/dpa/cag/sks
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