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Steinmeiers Kulturpolitik:"Ein bisschen zu typisch deutsch"

Frank-Walter Steinmeier im SZ-Interview

"Mein bescheidenes Ziel besteht darin, die Außenpolitik aus ihren ritualisierten Verengungen befreien zu helfen": Frank-Walter Steinmeier.

(Foto: Regina Schmeken)

Anders als einige seiner Vorgänger sieht Außenminister Frank-Walter Steinmeier Kulturpolitik als eine Säule seiner Außenpolitik. Im Interview mit der SZ spricht er über das Humboldt Forum, die bedrohte Ruinenstadt Palmyra und Kultur als Förderer der "Weltvernunft".

Das Humboldt Forum im wieder errichteten Berliner Stadtschloss hat am kommenden Freitag Richtfest, am Wochenende darauf sind Tage der offenen Baustelle. Die Debatte um das, was dort gezeigt und verhandelt werden soll, dauert bereits Jahre, und sie ist noch längst nicht abgeschlossen. Nun hat sich in einem großen Gespräch über Kulturpolitik in der Süddeutschen Zeitung Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier eingeschaltet.

Die Diskussion, so Steinmeier, verlaufe "ein bisschen zu typisch deutsch". Er finde es schade, "dass viele Jahre vor der Eröffnung beklagt wird, dass die Öffnungszeiten am Donnerstag noch nicht stehen." Das Humboldt Forum solle vielmehr als "Chance" gesehen werden: "Was Inhalte und Darstellungsformen angeht, ist doch gut, wenn darüber öffentlich gestritten und debattiert wird."

Herzstück einer künftigen Ausstellung sollen die ethnologischen Sammlungen aus Berlin-Dahlem sein. Dabei warnte Steinmeier, es könnte nicht nur darum gehen, "dieselben Ausstellungen an neuen, attraktiveren Orten mitten in der Stadt zu bringen". Vielmehr sei es wichtig, "unsere Neugier auf die Welt jenseits von Konflikten steigern zu helfen." Das Humboldt Forum, so der Außenminister, werde möglicherweise vieles sein, aber "nicht das deutsche Zentrum zur Pflege des Kulturbegriffs."

Instrument zur Förderung der "Weltvernunft"

Keine Frage, Kulturpolitik liegt Steinmeier am Herzen, mehr oder vor allem: anders als seinen Vorgängern. Für Guido Westerwelle war auswärtige Kulturpolitik Standortpflege, für Joschka Fischer lästige - und teure - Pflicht. Steinmeier aber sieht den kulturellen Austausch auf Augenhöhe mit deutschen Partnerländern als eine Säule seiner Außenpolitik, ja, als Instrument zur Förderung der "Weltvernunft".

Dabei ist ja die Kultur selbst bedroht, antike Stätten sind Geiseln und Ziel von Terroristen wie beispielsweise die syrische Ruinenstadt Palmyra, die seit Wochen in den Händen der Terroristen des Islamischen Staates ist. Deutschland könne das nicht gleichgültig sein, sagt Steinmeier, denn gerade in Zeiten der Unruhe seien die Weltkulturstätten Orte, an denen sich Menschheitsgeschichte ablesen lässt.

Im Interview legt er dar, welchen Beitrag Deutschland zum Schutz der Welterbestätten leisten kann. Bomben für den Schutz von antiken Ruinen - das hält er jedoch nicht für realistisch: "Die Vorstellung, dass wir durch noch mehr militärisches Engagement Kulturgüter in Syrien oder im Irak retten, ist nicht sehr ausgeprägt", sagt er. Für Palmyra selbst hat er wenig Hoffnung: "Nach den Erfahrungen der letzten Wochen und der Zerstörung der anderen antiken Stätten besteht kein Anlass zu Optimismus."

Lesen Sie das ganze Interview mit SZ Plus:

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