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Sprache:Logopäden: Eltern sollten mehr mit Kindern raus und spielen

Deutschland
Bei einer Therapie wird mit dem Mund und der Zunge der Laut "L" geformt. Foto: Jens Kalaene/zb/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

Zerbst (dpa/sa) - Aus Sicht von Logopäden sollten Eltern ihren Kindern möglichst viel Bewegung verschaffen und sich aktiv mit ihnen beschäftigen. "Ich würde mir wünschen, dass sie mit ihren Kindern rausgehen und spielen", sagte Sachsen-Anhalts erste Landesverbandsvorsitzende im Deutschen Bundesverband für Logopädie, Annett Sandmann, der Deutschen Presse-Agentur. Die Muskulatur des gesamten Körpers müsse gefordert werden, das passiere nicht vor Fernseher oder Tablet. "Wenn der ganze Körper schlaff ist, kann man nicht erwarten, dass im Gesichts- und Mundbereich alles funktioniert."

Sandmann, die seit 13 Jahren als Logopädin arbeitet, sieht neben der Aussprache reduzierten Wortschatz und grammatikalische Störungen als Hauptprobleme. Kollegen, die den Beruf schon länger ausübten, hätten den Eindruck, dass die zunehmende Mediennutzung mehr sprachliche Schwierigkeiten zur Folge habe. Sandmann plädiert auch für das schlichte Quatschmachen mit kleinen Kindern: Lippenflattern, Grimassenziehen, Brabbeln etwa hinein in den Kinderwagen. Kinder lernten durch Nachahmen.

Die Wartelisten bei den Logopäden sind Sandmann zufolge sehr lang. Im Landesverband seien rund 200 von ihnen organisiert. Kinderärzte würden Kinder ihrem Eindruck nach zeitiger zu den Fachleuten schicken - auch, weil sie um die Wartezeiten wüssten, vermutet die Verbandschefin. Zu ihr kämen die Kinder im Schnitt mit vier Jahren. Die Dauer von Behandlung und Therapie sei sehr unterschiedlich und hänge beispielsweise vom Störungsbild und der Mitarbeit der Familie ab.

Wie viele andere Berufsgruppen haben laut Sandmann auch die Logopäden Nachwuchssorgen. Sie spricht von einem Versorgungsdefizit. Die Ausbildung zur Logopädin oder zum Logopäden sei an einer staatlichen Schule in Halle nur alle drei Jahre möglich, in Magdeburg gebe es jedes Jahr mindestens eine Klasse, für die Ausbildung sei aber Schulgeld fällig. Ziel der deutschen Logopäden sei die Abschaffung des Schulgeldes. Der 6. März ist der Europäische Tag der Logopädie.

Einen anderen wichtigen Schritt habe man im vergangenen Jahr erreicht: die bundesweit einheitliche Vergütung. Sandmann sieht das als wichtigen Beitrag dafür, dass hierzulande ausgebildete Logopäden nicht mehr in westliche Bundesländer abwandern.

Um den Beruf attraktiver zu machen, streben die Logopäden zudem eine Akademisierung an. Die Hebammen hätten das schon geschafft, zieht Sandmann eine Parallele. Es gehe zum einen um einheitliche Standards, zum anderen wollten die Logopäden von Ärzten mehr anerkannt werden. Ein weiteres Ziel sei, dass es einen Direktzugang zu ihnen gebe, bislang müsse eine Ärztin oder ein Arzt die Behandlung verschreiben.

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