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Spider-Man-Musical: Turn Off the Dark:Der ungeschickte Superheld

Hilflose Bühnenarbeiter, die Regisseurin kurz vor dem Nervenzusammenbruch - und nicht mal Bono kann das Projekt retten: "Spider Man: Turn Off the Dark" ist das teuerste Musical aller Zeiten.

Ein Superheld, zerrissen zwischen prometheischer Hybris und menschlicher Liebe: Das ist die Idee, die das neue Broadway-Musical "Spider-Man: Turn Off the Dark" fliegen lassen sollte. Doch die Szene, in der Spidey hilflos in den Seilen hing, während drei Bühnenarbeiter versuchten, nach seinen Füße zu schnappen, um ihn sicher zu Boden zu bringen, stand nicht im Skript. Es war nur eines der vielen technischen Probleme, die die Regie zwangen, die erste öffentliche Aufführung am Sonntagabend fünf Mal zu unterbrechen. Doch lange, bevor Spideys Notlandung endlich geglückt war, war dessen schwer erarbeitete Heldenaura schon verflogen.

Da fliegt er wieder - allerdings ist Spider-Man in seiner Bühnenfassung ein wenig ungeschickt.

(Foto: Jacob Cohl/AP)

Aus dem Spinnenmann, der gestartet war, um seine Freundin Mary Jane vom Chrysler-Building zu retten, war ein tragischer Faschingsgast geworden, der den richtigen Moment verpasst hat, sein Kostüm abzustreifen. Als er den "Pyjama" irgendwann endlich in den Müll wirft, ist es längst zu spät.

Warum das der Rede wert ist? Weil "Spider-Man" das technisch aufwendigste, langwierigste und bei weitem teuerste Musical ist, das es am Broadway je gab. Seit über acht Jahren wird an der Produktion herumlaboriert; 70 Millionen Dollar hat sie bereits verschlungen; und es ist nicht irgendjemand, dem hier möglicherweise eine grandiose Blamage droht: Die 20 Musiknummern haben keine geringeren als Bono und The Edge von U2 geschrieben.

Regie führt Julie Taymor, die an der Met die "Zauberflöte" inszenierte, die Filme wie "Frida" und Shakespeares "Sturm" gemacht hat, der dieses Jahr in Venedig vorgestellt wurde, und deren Musicalversion von "Lion King" seit der Premiere vor 13 Jahren 4,25 Milliarden Dollar eingespielt hat.

Die Geschichte von "Spider-Man" nahm schon 2005 eine fatale Wendung. Als Bono und The Edge in dessen New Yorker Apartment den Vertrag unterschreiben wollten, brach der Initiator und Produzent Tony Adams mit einem Herzinfarkt tot zusammen.

Doch es folgten noch viele andere Missgeschicke. Leere Konten, entnervte Financiers, verletzte Darsteller, die Ausbrüche einer, so heißt es, diktatorischen, dabei stets knapp am Nervenzusammenbruch entlangschrammenden Regisseurin und eine schon fast obsessive Kampagne gegen das Musical vom Theaterkolumnist des Boulevardblatts New York Post. Mit jeder neuen Verschiebung des Starttermins wurde deutlicher, dass auch die atemberaubendste Bühnenakrobatik verblassen würde gegen das Drama im realen Gotham um ein Musical, das sich im Netz seiner Ambitionen verheddert hatte. Es hat auch einen Namen: "Der Fluch des Spider-Man" - so hieß die Titelgeschichte des New York Magazine.

Die Macher der Show hielten mit einer geschickten Medienkampagne dagegen: Das renommierte Politmagazin 60 Minutes widmete "Spider-Man" geschlagene 15 Minuten. Annie Leibovitz durfte in der Kulisse eine opulente Fotostrecke für die amerikanische Vogue fotografieren. Ansonsten wiederholten sie ihr Mantra, dass Großes eben seine Zeit brauche. Noch unmittelbar vor der ersten "Preview" am Sonntag - die offizielle Premiere ist erst im Januar - versprach der Produzent Michael Cohl, bis vor zwei Jahren Chef des amerikanischen Konzertmonopolisten LiveNation, den Zuschauern "Dinge, die Sie nie zuvor gesehen haben" und bat die Zuschauer um Gnade, wenn sie sich nicht wie versprochen einstellen würden. Bei Ticketpreisen von durchschnittlich 120 Dollar war das auch angebracht.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, wie Spider-Man sich schlägt.

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