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Siebte Station in Nouadhibou, Mauretanien:Festen Sand unter den Füßen

Die Mauretanische Hymne, die zur Großaufnahme der wehenden Flagge aus dem Fernseher drang, brachte ihn auf den Sand der Tatsachen zurück. Er stolperte innerlich und konnte nicht weiter essen.

In dieser Nacht träumte er, in einem Meer zu schwimmen. Das Meer war freundlich und kräuselte sich leicht in einem sanften Sonnenlicht. Er spürte seinen Körper geschmeidig durch das Wasser gleiten, aber darin tobte ein Leben, und die schleimigen, schuppigen, festen Körper der Fische rieben sich an ihm.

Sie nahmen in seiner sich überschlagenden Vorstellung absurde Formen und Größen an. Ihre Berührungen waren fordernd und nicht mehr neugierig oder freundlich. Mehr und mehr Schleim drang aus ihren offenen Kiemen, und bald meinte er, in einem Meer aus Schuppen, Flossen und Augen zu versinken.

Es war kein Wasser mehr da, nur mehr Fische. Ein Traum eben. Einfach nur Schritte zählen, und er würde schon wieder auf einer Düne landen. Festen Sand unter die Füße zu gewinnen, hieß es.

Es war wieder Tag, und er schloss die Augen beim Fahren. Wüste, ohne dass man sie spüren hätte können. Die wenigen Menschen draußen waren in Tücher gehüllt und so nicht erkennbar. Wenn überhaupt etwas, dann wirkten sie gelassen. Die Arme pendelnd, der Gang aufrecht, und selten war eine Hast in ihrem Tun auszumachen. Warum auch? Die Wüste ist groß. Die Kamele schlendern. Selbst die Sonne scheint sich Zeit zu lassen. Sie scheint.

Schwere Luft

Beim Fahren entbehrte das Schließen der Augen jeglicher sinnlicher Qualität. Er hörte nur das Brummen des Motors und das leichte Schleifen des rechten hinteren Reifens. Er nahm sich vor, das blinde Gehen in einer Großstadt zu versuchen. Wie viele Schritte er wohl schaffen würde?

Als er es schließlich tat, war es wie in dem Traum mit den Fischen. Zuerst war es freundlich und fast kindlich heiter. So als spielte man Blindsein. Dann wurde es zunehmend bedrohlich. Menschen, Geräusche, Gerüche und schwere Luft drängten sich um ihn und kamen ihm näher und näher, bis er das Zählen verlernt und zu träumen vergessen hatte.

Endlich trat er auf den Skorpion. Dankbar schaute er zum Himmel und sang aus voller Brust: "Sei Gottes Gehilfe und verurteile, was nicht sein soll, und mache das zum Gesetz, was er zum Gesetz gemacht. Niemand solle es wagen, gut oder böse zu sein außer ihm selbst."

Das Bild der Wüste war da.

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