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Robert Enkes Leben als Theaterstück:Kampf um Privatsphäre

Stück über depressiven Torwart

Teresa Enke möchte nicht, dass ihr Leben Gegenstand eines Theaterstücks wird.

(Foto: dpa)

Robert Enkes Witwe will gegen das Gorki Theater vorgehen, weil die Bühne die Depression und den Suizid ihres Mannes zum Thema eines Theaterstücks macht. Teresa Enkes Anliegen ist mehr als verständlich, doch die Ausschlachtung des Vorgangs durch die "Bild"-Zeitung ist höflich formuliert von Doppelmoral geprägt.

Von Peter Laudenbach

Teresa Enke, die Witwe des Bundesliga-Torwarts Robert Enke, prüft, ob sie juristisch dagegen vorgehen kann, dass die Lebensgeschichte, die Depression, der Suizid ihres Mannes und der Tod des gemeinsamen Kindes zum Thema eines Theaterstücks am Berliner Maxim Gorki Theater gemacht wird. Sie findet, dass ihr Privatleben ihr Privatleben und kein Stoff für einen Theaterabend, einen Film oder den Medien-Boulevard ist. Das ist mehr als verständlich und verdient nur eines: Respekt.

Armin Petras, der Intendant des Maxim Gorki Theaters und Autor wie Uraufführungsregisseur des Theaterstücks "Demenz Depression und Revolution", hat einen Fehler gemacht, als er sich für den zweiten Teil des Stücks sehr direkt in der Enke-Biografie des Sport-Journalisten Ronald Reng bedient hat, ohne die Beteiligten nach ihrem Einverständnis zu fragen. Dass das Theater auf Nachfrage auf den Theaterverlag verweist, in dem Petras Stück erschienen ist, ist nicht sehr geschickt. Nicht der Verlag, sondern der Autor, Regisseur und Intendant Petras ist für Stück und Aufführung verantwortlich.

Aber der Fall liegt komplizierter. Ausgerechnet die Bild-Zeitung, zu deren Kerngeschäft es gehört, auf dem Privatleben ihrer Opfer herumzutrampeln, hat Teresa Enke über Petras' Theaterstück informiert. Jetzt schlachtet sie den Konflikt zwischen der Witwe und dem Theater genussvoll aus. Das ist, um es sehr höflich zu formulieren, nicht frei von Doppelmoral.

Petras Fehler war es, seine Bühnenfiguren sehr nah und erkennbar an das Ehepaar Enke anzulehnen. Aber sein Stück weidet sich, im Gegensatz zur Bild-Zeitung, nicht voyeuristisch am Leid der Menschen, deren Geschichte es erzählt. Petras nimmt die Figuren seines Stücks ernst und zeigt ihre Liebesgeschichte voller Respekt. Nichts an seiner Inszenierung ist reißerisch, weder wenn sie einen depressiven Profifußballer zeigt, noch wenn sie im berührenden ersten Teil der Aufführung Demenzkranke auf die Bühne bringt.

© SZ vom 09.01.2013/pak
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