Restitution:Eine Räuberbande will Beweise

Lesezeit: 7 min

Umgang mit der kolonialen Vergangenheit

Drei Raubkunst-Bronzen aus Benin-City im heutigen Nigeria sind im Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) in Hamburg in einer Vitrine ausgestellt.

(Foto: dpa)

Während Frankreich die ersten Rückgaben von Kolonialgütern vorbereitet, verschanzt sich Deutschland hinter einer Mauer des Schweigens. Ein Gespräch mit dem Juristen Wolfgang Kaleck.

Von Jörg Häntzschel und Andreas Zielcke

Deutschland müsse die Verbrechen der Kolonialära aufarbeiten, genau wie die der DDR- und der NS-Zeit, schrieben die Regierungsparteien Anfang des Jahres in ihren Koalitionsvertrag. Doch seitdem hat man dazu nicht mehr viel gehört. Das Problem wird nach unten delegiert, zu den Museen. Die wiederum verweisen, so in einem im Mai veröffentlichten Leitfaden des deutschen Museumsbunds, auf schwer zu klärende Provenienzen und auf die Rechtslage, die Rückgaben kaum erlaube. Wir sprachen darüber mit dem Juristen Wolfgang Kaleck, der als Anwalt von Edward Snowden und Gründer der Menschenrechtsorganisation European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) bekannt geworden ist. Im August war Kaleck in Namibia, wo deutsche Kolonialsoldaten zwischen 1904 und 1908 bis zu 80 000 Herero ermordeten. Er lotete dort mit den Nachfahren der wenigen Überlebenden des Stammes Möglichkeiten aus, ihre Forderung nach einer Entschuldigung Deutschlands, nach der Anerkennung des Völkermords und nach Reparationen juristisch zu unterstützen.

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