Dwayne-Johnson-Spektakel "Red Notice" auf Netflix:Flotter Dreier

Lesezeit: 3 min

RED NOTICE; Red Notice

Dwayne Johnson (links) und Ryan Reynolds beharken sich, Gal Gadot ist die lachende Dritte - Szene aus "Red Notice".

(Foto: Frank Masi/Netflix)

Mit "Red Notice" zeigt Netflix, wie man die derzeit größten Filmstars in eine Action-Komödie packt. Und liefert eine Art Blaupause für den Blockbuster der Gegenwart.

Von David Pfeifer

Am Freitag läuft einer der größten Blockbuster dieses Jahres an. Sagt man das überhaupt noch? Anlaufen? "Red Notice" wird weltweit auf Netflix freigeschaltet, in ein paar Kinos in den USA und in Deutschland ist der Film bereits zu sehen. Dass er ein großer Publikumserfolg wird, ist schon deshalb wahrscheinlich, weil Dwayne Johnson, Ryan Reynolds und Gal Gadot die Hauptrollen spielen. Und weil es eine Abenteuer-Einbrecher-Komödie ist, ein Feelgood-Movie, in dem viel gelacht werden darf. Zudem fliegt einiges in die Luft, und es wird auch viel geschossen, aber niemand kommt wirklich zu Schaden.

Drei wertvolle Schmuckeier, die einst Kleopatra gehörten, sollen an unterschiedlichen Orten auf der Welt gestohlen werden. Ein schwerreicher Mann möchte sie für 300 Millionen Dollar kaufen und seiner verzogenen Tochter zur Hochzeit schenken. Ryan Reynolds spielt einen Dieb, der hinter den Eiern her ist. Dwayne Johnson spielt einen FBI-Agenten, der hinter dem Dieb her ist. Und Gal Gadot eine schöne Unbekannte, die den Schatz ebenso will und den beiden Kerlen stets ein wenig voraus ist. Es gibt dann ein paar Überraschungen, die man zunächst nicht erwarten würde. Doch darum geht es nicht in erster Linie.

Im Kern dieser perfekt geölten Maschine von einem Unterhaltungsfilm stehen die Absichten der Macher. In ihren Rollen als Deadpool (Reynolds), Wonder Woman (Gadot) und Black Adam (Johnson, gerade abgedreht) haben alle drei Stars ihr eigenes Superhelden-Franchise, der Film ist also eine Art Gipfeltreffen. Das macht ihn auch zu einer der bisher teuersten Netflix-Produktionen. Allein Dwayne Johnson: Er ist längst mehr als die erfolgreichste Körperkanone seit Arnold Schwarzenegger. Er ist Limonaden- und Tequila-Fabrikant, Film- und Fernsehproduzent, die Geschichte seiner Jugend läuft derzeit als Sitcom verfilmt in den USA. Auch "Red Notice" hat er produziert. "The Rock", wie er sich seit Wrestling-Tagen nennt, ist eine Marke. Er ist einer der größten Influencer der Jetztzeit, die Person mit den viertmeisten Instagram-Followern weltweit (277 Millionen), weit vor Kim Kardashian und Beyoncé.

"Irgendwo läuft jetzt eine sehr nackte Kuh herum", höhnt der Meisterdieb

Im Trailer funktioniert bereits das, was im Film dann auch eingelöst wird: der sehr große und muskulöse Johnson, dessen Spezialität es ist, sich mit hochgezogener Augenbraue selbstironisch zu zeigen, wird vom dauerplappernden und Witze reißenden Ryan Reynolds genervt. Wenn Johnson ihn zu Beginn des Films mit einer Waffe bedroht und dabei eine wuchtige Jacke aus Leder trägt, sagt Reynolds: "Woher haben Sie die Jacke? Die ist ein echter Hingucker. Irgendwo läuft jetzt eine sehr nackte Kuh herum, die flüstert: War's wert." Man kennt diese Art des mäandernden Humors von Deadpool, er ist zu Reynolds' Markenzeichen geworden. Dass er ihn nun am grimmig dreinschauenden Johnson ausagieren kann, ist ähnlich lustig wie die besseren Momente in den Filmen von Bud Spencer und Terence Hill. Denn die beiden müssen, obwohl sie am Anfang als Gegner eingeführt werden, bald zusammenarbeiten, so viel darf verraten werden.

Red Notice

Gelegentlich gehen sie sich an die Gurgel, aber meistens müssen sie zusammenarbeiten: Dwayne Johnson und Ryan Reynolds in "Red Notice".

(Foto: Frank Masi/Netflix)

Da "Red Notice" aber auch ein Actionfilm ist, knallt nach jeder Pointe mindestens ein Projektil, manchmal stürzt auch ein Baugerüst zusammen oder es kommt zu einem spektakulären Gefängnisausbruch. Es sind atemlose 158 Minuten, das muss man unbedingt als Dienst am Zuseher sehen, denn die allermeisten Netflix-Abonnenten sehen sich so etwas ja nicht auf der Heimleinwand an, sondern im besten Fall auf einem größeren Flatscreen, die Ablenkungen sind also vielfältig.

Wer einmal versucht hat, "The Irishman" von Martin Scorsese, eine andere Original-Netflix-Produktion, in drei Stunden und 29 Minuten an einem Stück zu sehen, kennt das Problem. Der Streaming-Dienst hat in den vergangenen Jahren einigen Filmemachern die Möglichkeit gegeben, sich selbst zu verwirklichen, nicht immer ist das gutgegangen. Bei "Red Notice" hingegen kann man sich unter Niveau unterhalten fühlen, aber das erste Gesetz des Entertainments wird stets beachtet: Du sollst nicht langweilen.

Dass "Red Notice" kein reines Buddy-Movie ist, liegt an Gal Gadot, die nicht nur in jeder Situation fantastisch aussieht, sondern der man auch abnimmt, dass sie die beiden Kerle sowohl vermöbeln wie auch dumm dastehen lassen kann. Das tut sie in "Red Notice" immer dann, wenn den Supertypen etwas gelungen ist. Auf Dauer wirkt das etwas vorhersehbar, aber in den einzelnen Szenen ist es lustig, und am Ende, wenn sich die Geschichte noch mal dreht, erscheint es sogar zwingend.

Und gerade wenn man als Film-Nerd maulen will, dass eine Szene zu dreist bei anderen Filmen geklaut ist, haben die Macher eine Referenz parat, mit der sie das selbst eingestehen und ironisieren - etwa wenn Reynolds in eine alte Schatzkammer der Nazis steigt und dabei das Indiana-Jones-Thema aus "Jäger des verlorenen Schatzes" pfeift. Es gibt also eine Metaebene, auch wenn die nicht in der Handlung, sondern in der Erzählstrategie verborgen liegt. Netflix gründet seinen Erfolg auf der Verlockungslogik anderer Internet-Angebote: Wenn Ihnen dies gefallen hat, könnte Ihnen auch jenes gefallen. Wenn man also The Rock, Deadpool und Wonder Woman mag, und dazu noch James Bond, "Ocean's Eleven" und Indiana Jones, dann wird man Spaß an diesem Film haben. Und das dürften weltweit sehr, sehr viele Menschen sein.

Red Notice, USA 2021 - Regie und Buch: Rawson Marshall Thurber. Kamera: Markus Förderer. Mit Dwayne Johnson, Gal Gadot, Ryan Reynolds, Ritu Arya. Netflix, Start: 12.11.2021.

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