Mord an Rathenau vor 100 Jahren:Die Vergeltung der Gedemütigten

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Mord an Rathenau vor 100 Jahren: Außenminister Walther Rathenau im April 1922 auf dem Weg zur Weltwirtschaftskonferenz in Genua. Am 24. Juni wurde der Industrielle, Schriftsteller und Politiker ermordet.

Außenminister Walther Rathenau im April 1922 auf dem Weg zur Weltwirtschaftskonferenz in Genua. Am 24. Juni wurde der Industrielle, Schriftsteller und Politiker ermordet.

(Foto: Scherl/SZ Photo)

Vor 100 Jahren der Mord an Außenminister Rathenau, heute der Krieg gegen die Ukraine: An den Begründungen rechtsradikaler Gewalt hat sich verblüffend wenig geändert.

Gastbeitrag von Thomas Hüetlin

Demütigung - dieses große Wort fällt immer wieder, wenn darüber gerätselt wird, warum Putin am 24. Februar diesen Krieg begonnen hat und ihn mit einer Brutalität und Verachtung führt, die uns in Europa schockiert und Sorgen bereitet. Diese Demütigung hat weniger mit der Osterweiterung der Nato zu tun als vielmehr mit dem Zerfall der Sowjetunion in den Neunzigerjahren - einem Vorgang, den Putin als die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts beschrieben hat. Die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts war für ihn nicht der Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion während des Zweiten Weltkrieges - mit den 27 Millionen Toten, die das Unternehmen "Barbarossa" auf der sowjetischen Seite forderte. Die größte Katastrophe ist für Putin ein Vorgang, der nicht mit dem Verlust an menschlichem Leben verbunden war, sondern mit dem Verlust an Gebieten, die sich das Sowjetimperium einverleibt hatte. Es geht Putin um Macht. Geschwundene Macht, die er nun wieder auszuweiten versucht durch einen imperialen Krieg.

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