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Verteilungskämpfe in der Musikindustrie:Streit um Streams

(Foto: dpa (4))

"Rammstein", Helene Fischer und viele andere fordern mehr Geld - und zu diesem Zweck ein Spitzentreffen mit den Plattenbossen.

Es ist ein Brandbrief, der die größten Plattenfirmen Deutschlands erreicht hat: Es gebe "das dringende und grundlegende Bedürfnis nach einer Überprüfung und gegebenenfalls Neustrukturierung des Abrechnungs- und Vergütungsmodells im Bereich des Streamings", heißt es da. Man wolle unter anderem über die "Angemessenheit der Vergütung" sprechen. Außerdem bestünden Bedenken, ob die aktuellen Regelungen "rechtskonform" seien. Unterzeichnet hat den Brief laut Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS), der er exklusiv vorliegt, mehr als ein Dutzend Manager der derzeit erfolgreichsten deutschen Künstler: Helene Fischer, Rammstein, Die Toten Hosen, Sarah Connor, Marius Müller-Westernhagen, Silbermond. Viel Marktmacht, die sich da in Stellung bringt.

Adressiert ist der Brief an die Manager von Universal Music, Sony Music, Warner Music und BMG. Offenbar wurde er schon im Dezember verschickt und fordert von den Plattenbossen unter anderem ein Treffen Mitte Februar in Berlin. Eine Sprecherin von Warner Music bestätigte dies gegenüber der SZ.

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Es herrscht also offenbar Redebedarf, und in der Hauptsache geht es dabei um Einnahmen, die generiert werden, wenn Menschen Musik auf Plattformen wie Apple Music, Spotify oder Tidal hören. Minimalbeträge, wenn man sich den einzelnen Stream ansieht. Bei Abrufen, die bei einzelnen Songs manchmal in den Milliardenbereich gehen, läppern sie sich aber zu ansehnlichen Summen. Die Streaming-Sparte ist der größte Wachstumsbereich innerhalb der Musikindustrie. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2019 etwa 107 Milliarden Titel abgerufen - fünfmal so viel wie noch vor fünf Jahren. Der deutsche Musikmarkt ist deshalb im ersten Halbjahr 2019 mit acht Prozent so stark gewachsen wie seit mehr als 25 Jahren nicht.

Der Konflikt ist sensibel - denn die Marktmacht ist auf beiden Seiten riesig

Der Musikindustrie geht es also so gut wie schon sehr lang nicht mehr. Bei den Künstlern, so der Vorwurf ihrer Manager, komme davon aber zu wenig an. Die genannten Zahlen variieren stark und hängen auch von der Verhandlungsposition der Künstler ab. Über Details schweigen die Beteiligten. Die Streamingdienste geben nach eigenen Angaben aber etwa 70 Prozent ihrer Einnahmen an die Rechteinhaber. Von den im Schnitt etwa zehn Euro, die ein Dienst den Hörer im Monat kostet, kommen bei Künstlern jedoch teilweise angeblich nur etwa 50 Cent an. Bei den Labels sollen es bis zu drei Euro sein.

Dies dürfte auch an alten Verträgen der Künstler liegen. Einige stammen aus einer Zeit, in der Plattenfirmen noch die Kosten für Pressung und Distribution physischer Tonträger (also CDs, Vinyl, Kassetten) übernommen haben. Vor allem die Vertriebskosten sind mit dem Streaming aber vehement gesunken.

Die Redebereitschaft ist deshalb bei einigen Labels durchaus vorhanden. Bei BMG, wo man seit einiger Zeit versucht, der Konkurrenz Künstler mit besseren Konditionen abzujagen, reagiert man besonders offen: "Wir begrüßen nachdrücklich den Versuch, die Ungerechtigkeiten traditioneller Plattenverträge zu beleuchten." Die Reaktionen bei anderen Adressaten fallen indes skeptischer aus: Warner Music lehnte die Teilnahme an dem "Meeting in der vorgeschlagenen Form" ab. Es seien "sensible kommerzielle Punkte betroffen und damit wettbewerbsrechtliche Grenzen zu beachten", so eine Sprecherin gegenüber der SZ. Wenn die größten Labels sich mit den größten Künstlern unterhalten, ist das tatsächlich ein sensibler Punkt. Die Marktmacht ist ja auf beiden Seiten riesig.

© SZ vom 28.01.2020 / biaz/tmh
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