Hauptdarsteller im Kinofilm "Elser":Virtuose auf den zweiten Blick

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Filmpremiere 'Elser' im Arri Kino

Wurde am Staatsschauspiel Dresden zum harten Rollenarbeiter: Schauspieler Christian Friedel.

(Foto: Florian Peljak)

Freundlich, mitfühlend, scheu. Der Dresdner Theaterstar Christian Friedel ist keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Jetzt spielt er im Kino den Hitler-Attentäter Elser.

Von Christine Dössel

Georg Elser war kein wirklich politischer Mensch, aber eines wusste der Tischler von der Schwäbischen Alb mit hellsichtiger Gewissheit: "Der Hitler ist schlecht für Deutschland." Im Alleingang brach der Mann auf, diesen Hitler in die Luft zu jagen. Wer weiß, wie die Weltgeschichte verlaufen wäre, wäre Elsers Attentat am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller geglückt. Aber das Schicksal hatte andere Pläne. Hitler verließ 13 Minuten zu früh den Saal. Elser wurde inhaftiert, gefoltert und 1945 im KZ Dachau hingerichtet.

Klaus Maria Brandauer hat ihm 1989 ein Denkmal gesetzt in dem Film "Georg Elser - Einer aus Deutschland". Nun ist es Christian Friedel, der dem gescheiterten Hitler-Attentäter sein jungenhaftes Gesicht leiht. In Oliver Hirschbiegels Film "Elser - Er hätte die Welt verändert", der an diesem Donnerstag ins Kino kommt, spielt er den Titelhelden nicht als eigenbrötlerischen Tüftler. Sondern als einen geradlinigen, musik- und freiheitsliebenden Menschen, der seinem Gewissen folgt, oder einfach: seiner humanistischen Vernunft.

Der unauffällige Normalo von nebenan

Christian Friedel scheint ideal für diese Rolle zu sein. Ist er doch ein Understatement-Schauspieler par excellence. Kein Hoppla-jetzt-komm-ich-Zampano, kein kecker Sich-ins-Licht-Rücker, kein Virtuose auf den ersten Blick. Eitel schon gar nicht. Friedel ist der unauffällige Normalo von nebenan, freundlich, zurückhaltend, mitfühlend, scheu. So wie der Dorflehrer, den er 2009 in Michael Hanekes protestantischem Erziehungsgruselfilm "Das weiße Band" spielte. Es war Friedels erste Filmrolle und gleich ein großer Erfolg.

Friedel, Jahrgang 1979, ist gebürtiger Magdeburger. Er war zehn, als die Mauer fiel. Die Schauspielausbildung machte er in München an der Otto-Falckenberg-Schule, war anschließend am Residenztheater engagiert und gastierte an den Kammerspielen. Bis der Intendant Wilfried Schulz ihn erst nach Hannover, dann ans Staatsschauspiel Dresden holte. Dort ist Friedel als Schauspieler groß und ein harter Rollenarbeiter geworden. "Er ist nicht der Genialiker, der sich selber in Szene setzt", sagt Schulz. "Er kommt immer ein bisschen aus der Harmlosigkeit heraus." Das Publikum liebe das, Friedel strahle Wärme aus, das Gefühl, alles könne doch noch eine gute Wendung nehmen. In Dresden ist er regelrecht zum Theaterstar geworden - als gefühlsintensiver Don Carlos, als Arturo Ui in Hipster-Manier und vor allem als singender Hamlet mit Band.

Mit dieser Band tritt Friedel auch außerhalb des Theaters auf. Sie heißt Woods of Birnam (wie der Wald, den Shakespeares Macbeth so fürchtet) und hat im Herbst ihr Debütalbum veröffentlicht. Friedel singt, textet, spielt Klavier. Das mit der Musik ist ihm sehr wichtig. Deshalb spielt er am Theater nur noch als Gast. Den melancholischen Hauptsong aus "Hamlet" dürften viele kennen: Til Schweiger verwendete ihn als Titelsong für seinen Alzheimer-Film "Honig im Kopf". So landet Friedel immer wieder im Kino.

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