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Popmusik:In den Neunzigern war alles besser

Mark Ronson

Stand früher in den dunklen Ecken der New Yorker Clubs am DJ-Pult: Mark Ronson.

(Foto: AP)

Mark Ronson wurde als DJ bekannt, später produzierte er Stars wie Amy Winehouse oder Bruno Mars. Ein Gespräch über Smartphones in der Club-Kultur und den unbedingten Willen zum Erfolg.

Von Erik Brandt-Höge

Mark Ronson ist sich sicher: In den Neunzigerjahren war alles besser. Zumindest in New York. Zumindest in den Clubs Downtown. Zumindest, wenn er auflegte. Der heute 39-Jährige wurde als DJ in den Lieblingsläden der New Yorker Prominenz bekannt. Dort spielte er Hip-Hop, R'n'B, Soul und Funk. Später produzierte er Alben von Stars wie Amy Winehouse, Robbie Williams oder Bruno Mars. Nun erscheint sein viertes Solo-Album: "Uptown Special". Ein Gespräch über erste Schritte, Betteln bei Clubbetreibern und den unbedingten Willen zum Erfolg.

SZ: Mr. Ronson, wie kommt man auf die durchaus ein bisschen wahnwitzige Idee, sich in New York als DJ durchsetzen zu wollen?

Mark Ronson: Ganz einfach: Ich wollte damals nicht nur Soul, R'n'B und Hip-Hop hören, sondern ein Teil davon werden. Ich konnte aber weder rappen noch besonders gut selbst Musik produzieren. Also beschränkte ich mich auf das, wovon ich schon etwas verstand: Platten auflegen.

Haben Sie damit sofort Geld verdient?

Ich wollte es jedenfalls, aber es war am Anfang nicht ganz leicht.

Mit dem Wunsch waren Sie vermutlich nicht allein.

Nein, Tausende wollten dasselbe wie ich. Immer wieder ging ich mit meinen Demo-Tapes in die Diskotheken und verteilte sie an die Betreiber, in der Hoffnung, sie würden mir ein paar Auftritte verschaffen. Irgendwann arbeitete ich dann sechsmal in der Woche in meist schwarzen Hip-Hop-Clubs, immer für rund 200 Dollar pro Abend. Damit konnte ich meine Miete bezahlen. Wenn ich Glück hatte, durfte ich auch mal bei einer Fashionshow auflegen.

Was war ihr Erfolgsgeheimnis?

Ich konzentrierte mich nicht nur auf die Hits der Zeit, sondern machte mich auf die Suche nach den Originalversionen der Songs, die in den damaligen Hits gesampelt wurden. Ich ging in jeden Plattenladen von New York, bis ich fündig geworden war. Die Strategie war: die Leute mit etwas bei der Stange halten, das sie schon kannten, und sie gleichzeitig auf eine Reise in eine andere Zeit mitnehmen.

Mark Ronson promotes latest album Uptown Special

"Meistens hatte ich meinen Platz in einer dunklen Ecke, oft konnte man mich gar nicht sehen." - Mark Ronson.

(Foto: Paul Miller/dpa)

Klingt sehr ambitioniert.

Ich wollte ja auch etwas erreichen. Es gab damals einen Club namens "Life". Das war der angesagteste Laden der Stadt. Immer voll mit Superstars, Supermodels und den coolsten Typen aus Downtown. Der Kerl, der den Club betrieb, war Steve Lewis, heute bekannt als der König des New Yorker Nachtlebens. Ich habe ihn geradezu angefleht, bei ihm auftreten zu dürfen, immer und immer wieder bettelte ich darum. Aber erst als eine DJane schwanger wurde, bekam ich tatsächlich meine Chance.

Und die nutzten Sie.

Ja, ich habe wirklich alles, was ich hatte, in diesen einen Gig gelegt. Der Komiker Chris Rock war da, der Musikproduzent Rick Rubin, Mariah Carey - und alle gingen ab. Danach legte ich regelmäßig im "Life" auf. Und mehr noch: Es gibt diesen Song von Jay-Z, "So Ghetto", in dem heißt es: "Wednesday's I'm up in Shine, Cheetah's Monday night, I'm Fucking with the model chicks friday night at Life".

Darin geht es um Sie?

Als der Song rauskam legte ich jedenfalls mittwochs im "Shine" auf, freitags im "Life" und montags im "Cheetah". Ich hatte erreicht, was ich wollte: Ich arbeitete in den wichtigsten Läden der Stadt und war dabei meinen musikalischen Helden ganz nah. Sie saßen direkt vor mir.

Gratulation. Fühlten Sie sich da auch selbst ein bisschen als Held?

Eher nicht, meistens hatte ich meinen Platz in einer dunklen Ecke, oft konnte man mich gar nicht sehen. Meine Aufgabe war es, die VIPs in Stimmung zu bringen.

Hat sich das New Yorker Nachtleben seither eigentlich sehr verändert?

Ja, vor allem durch die Smartphones. Die Leute können sich einfach nicht mehr besonders lange auf etwas konzentrieren, das außerhalb des Displays liegt. Und dass man heute zum Rauchen dauernd vor die Tür muss, macht einen Club-Abend auch nicht gerade besser.

© SZ vom 06.02.2015/khil
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