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Pop:Sehnsucht nach Frieden

Das weiße Pferd

Neuer und alter Jugendstil: "Das Weiße Pferd" in den Räumen der Villa Stuck.

(Foto: Gerald von Foris)

"Peace & Noise": Die Münchner Band "Das Weiße Pferd" veranstaltet am zweiten Weihnachtsfeiertag im Import Export ein Benefiz-Festival für notleidende Kurden zwischen Syrien und der Türkei

Seit acht Jahren wütet bereits der Bürgerkrieg in Syrien. Er hat hunderttausenden Menschen das Leben gekostet. Etwa 45 Prozent der Bevölkerung wurden vertrieben und sind weltweit auf der Flucht. Zu den Betroffenen dieses unsäglichen Konfliktes zählen speziell in Nordsyrien auch viele Kurden. Sie werden sowohl vom syrischen als auch vom türkischen Regime gejagt und unterdrückt. Und die von ihnen im Jahr 2016 unter dem Namen Rojava ausgerufene Selbstverwaltungszone, die nach der Idee des "demokratischen Konföderalismus" geführt wird und auf die Abschaffung von Hierarchien zielt, ist den Despoten Assad und Erdogan ein Dorn im Auge. Die Kurden und Kurdinnen von Rojava in ihrer schwierigen Lage finanziell zu unterstützen, das ist die Idee, die hinter "Peace & Noise" steht. Einem Benefizfestival, das am zweiten Weihnachtsfeiertag im Import Export stattfindet.

Organisiert wird das Festival, dessen Erlös an die kurdische Organisation Heyva Sor a Kurdistanê e. V. geht und vor allem leidenden Kindern vor Ort zugutekommen soll, von der Münchner Indie-Band Das Weiße Pferd. Die siebenköpfige Truppe um den Sänger Federico Sanchez alias Pico Be hatte bereits vor drei Jahren ein "Peace & Noise"-Festival veranstaltet, um damit eine Musikschule in Aden (Republik Jemen) und dort lebende Musiker zu unterstützen. Mehr als ein Dutzend Bands, darunter The Notwist, Jambinai, Friends Of Gas, Pollyester, Das Lunsentrio und Candelilla, wurden damals zusammengetrommelt. Für ein ambitioniertes Programm, das leider unter einem schlechten Stern stand. Am Benefiz-Abend fand das rechtsradikale Attentat im Olympia-Einkaufszentrum statt. Die Folgen waren eine sehr eigenartige, bedrückte Stimmung und weil viele Zuschauer ausblieben auch ein finanzieller Ausfall.

Der konnte dann im Nachhinein durch ein Zusatz-Konzert an einem anderen Ort teilweise ausgeglichen werden. Aber die Erfahrung, dass es auch bei uns Hass und Gewalt gibt und der Frieden etwas sehr Brüchiges sein kann, die blieb haften. Dass der Krieg allgegenwärtig ist und etwa auch der Kapitalismus und die deutsche "Exportweltmeisterei" zu diesem beitragen: das steckt als Gedanke denn auch mit hinter "Peace & Noise", das den Krieg, den Lärm in uns in Solidarität verwandeln will. Dafür treten im Import Export neben Das Weiße Pferd die Münchner Bands (RTZ) und MarieMarleneDietrich sowie das DJ-Duo Die Kleinen Hirten an.

(RTZ) besteht aus dem Noise-Künstler Anton Kaun alias Rumpeln, Martin Tagar (Friends Of Gas, Das Weiße Pferd) und dem Percussionisten Zoro Babel und hat bei "Peace & Noise" ihr Live-Debüt. Das Münchner Trio MarieMarleneDietrich hat vor etwa fünf Jahren mit Straßenmusik begonnen und präsentiert seinen Folkpopsound in mehreren Sprachen. Für die Indie-All-Star-Band Das Weiße Pferd ist das Benefizkonzert der erste München-Auftritt in diesem Jahr. Denn die Musiker wirken alle parallel in den unterschiedlichsten Bands und Projekten (von Friends Of Gas über The Grexits bis hin zu Ippio Payo, Tom Wu oder Tuna Trio and the Ghosts) und reiten fast nur noch zu speziellen Anlässen gemeinsam aus. Wie eben jetzt, um den Kurden und Kurdinnen von Rojava zu helfen.

Peace & Noise, Do., 26. Dez., 20 Uhr, Import Export, Schwere Reiter Str. 2h

© SZ vom 24.12.2019
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