Nachruf:Der Ruhelose

Brenna Gray, Joey Jordison; Brenna Gray, Joey Jordison

Joey Jordison bei einer Pressekonferenz in seiner Heimatstadt Des Moins in Iowa.

(Foto: Charlie Neibergall/AP)

Konnte auch senkrecht spielen: Joey Jordison, Ex-Schlagzeuger der Metalband "Slipknot", ist tot.

Von Nicolas Freund

Joey Jordison war einer dieser Rock-Musiker, die immer auf der Überholspur unterwegs sind, die versuchen, alles noch ein bisschen schneller, lauter und härter zu machen. Wie in dem legendären Musikfilm "Spinal Tap", wo der Verstärker bis 11 aufgedreht werden kann. Ist halt eins lauter. Darum geht's.

Nur hatte Jordison trotz Maskerade und dem Drang, immer noch eins draufzusetzen, gar nichts Lächerliches an sich. Mit der Metalband Slipknot mischte er Ende der Neunziger erst den amerikanischen Underground und dann praktisch ohne Zwischenschritt den Mainstream auf. Die Band kam aus dem damals populären New Metal, machte aber eher einen Schritt zurück in den richtig harten Metal, was nicht zuletzt an Jordison lag, der besonders den geknüppelten Death Metal beherrschte. Wo andere Drummer einen Schlag machten, landeten bei Jordison oft vier auf dem Schlagzeugfell, was seinem Spiel etwas irre Nervöses, aber gleichzeitig eine maschinenhafte Präzision gab. Legendär ist eines seiner Schlagzeugsolos, für das er auf einer rotierenden Plattform festgeschnallt war, die dann auch noch um 90 Grad gekippt wurde, bis Jordison praktisch an einer senkrechten Wand spielte. Wenn er gekonnt hätte, hätte er in einer Achterbahn Schlagzeug gespielt.

8/ Konzert: Slipknot, Joey Jordison, in der Berliner Arena, Nu Metal, Musik Berlin Deutschland, Germany *** 8 concert Sl

Jordison im Jesus-Kostüm bei einem Konzert in Berlin.

(Foto: Brigani Art/Imago)

Dass Slipknot es praktisch sofort in den Mainstream schaffte, lag auch an diesen Auftritten der Gruppe. Mit den orangefarbenen Overalls und Masken sah eine Show der Band aus, als hätten entkommene Insassen eines amerikanischen Gefängnisses das Set einer Stephen-King-Verfilmung geplündert und wären auf ihrem Raubzug zufällig auf einer Bühne gelandet. Jordison spielte immer mit schwarz-weißer Maske, was ihn aussehen ließ wie eine Horrorfilm-Madonna. Später trat er auch als Jesus auf, mit Dornenkrone. Darunter ging es nicht. Lange war gar nicht klar, wer sich hinter den Masken verbirgt, und obwohl die Namen der Bandmitglieder inzwischen bekannt sind, haben sich vor allem die Gründungsmitglieder, zu denen Jordison gehörte, immer etwas Geheimnisvolles bewahrt.

2013 verließ Jordison Slipknot, wohl nicht ganz freiwillig. In den letzten Jahren hatte er mit schweren Wirbelsäulenproblemen zu kämpfen, was ihn aber nicht daran hinderte, trotzdem in einem halben Dutzend Bands mitzumischen, auch als Gitarrist. Wenn Jordison eines nicht konnte, dann war es ruhig zu bleiben.

Am 26. Juli starb Jordison im Alter von 46 Jahren. Die Todesursache ist nicht bekannt.

© SZ/jhl
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