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Pop:"Warum muss ich es immer am schwersten haben?!"

Oder: Jones, wie sie mit schmerzverzerrtem Gesicht störrische Austern aufsperrt und flucht, dass sie auch gerne so eine enge Vagina hätte. Jones, wie sie ihren Manager am Telefon zur Sau macht, weil ein Veranstalter den Vertrag nicht unterschrieben hat. Oder Jones, wie sie in Jamaika in der Dämmerung in einer Lagune schwimmt. Das Wasser dunkelgrün, ihr Kopf verschwindet fast im Flimmern, unheimliche Stille.

Kürzlich antwortete Jones im Interview mit dem Guardian auf die Frage, was das Altern für sie bedeute, für sie gebe es keine Zeit, nur Raum. Das hier ist so ein Moment: schwebend im endlosen Wasser. Auf dessen Wirkung führt Grace Jones im Übrigen auch ihre Faltenfreiheit zurück.

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Nachruf

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Antoine Domino, besser bekannt als Fats Domino, war einer der ganz großen Pioniere des Rock 'n' Roll. Die Blütezeit des Rocks erlebte er allerdings eher als hochgeschätzter Zaungast, denn als Protagonist.   Nachruf von Jens-Christian Rabe

Für den Star und die Regisseurin gab es im British Film Institute Ovationen. Es folgte noch eine Fragerunde im Kreis von Freunden. Wobei: Wer auch immer auf die Idee kam, den Kurator der Serpentine Gallery, Hans Ulrich Obrist, dazuzusetzen, muss wenig Sinn für Pietät gehabt haben. Er bombardierte Jones, obwohl sie deutlich von der Trauer um ihre Mutter gezeichnet war und hin und wieder ihre glasigen Augen unter der gehörnten schwarzen Schleiermaske lüftete, mit seichten Fragen, unter anderem zur Mode. Jones stöhnte auf: "Warum muss ich es immer am schwersten haben?!" Womit sie aber auch zu einem Gleichnis überleitete: Ihre Mutter Marjorie, die auch Schneiderin war, habe den Kindern immer Kleider zum Nähen gegeben, erzählte sie. Und sie, Grace, habe immer die schwierigste Stelle bekommen, weil sie von den Geschwistern am besten nähen konnte. Die unter dem Ärmel, also die Achselhöhle. "Da laufen alle Nähte zusammen, und wenn nur mit einer etwas nicht stimmt, dann kann man wieder von vorne anfangen", sagte Grace Jones.

Ihr Hut, der gleichzeitig eine Discokugel ist

Damit lieferte sie freilich auch ein sehr schönes Bild für ihre Kunst und ihre Karriere. Es wirkt im Film so einfach und mühelos, wenn Grace Jones mit den Hüften kreist und ihren Hut, der gleichzeitig eine Discokugel ist, mit neongrünem Laserlicht beschießen lässt. Oder wie sie eine Treppe hinauf- und wieder hinabsteigt und dabei Brunftlaute ins Mikro stößt. All dies sind ihre Nähte - Licht, Pose, Kostüm, Sound, Stimme. Die finden bei ihr immer wieder zu einer grandiosen Performance zusammen.

Und weil eine weitere Naht bei Grace Jones auch immer die Belieferung des Boulevards mit verrückten Sprüchen war, und weil es derer an dem Abend wohl noch nicht genügend gegeben hatte, sagte sie ganz am Ende noch, dass sie Sophie Fiennes gerne lecken würde.

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