Plattenkabinett:The Sounds: Weekend

Lesezeit: 4 min

In Artikeln über schwedische Musiker wimmelt es meist von Klischees. Eine Auswahl:

  • Abba-Remineszenzen (immer, vor allem, wenn Männer und Frauen in der Band sind)
  • Vergleiche mit den Cardigans (wenn eine Frau singt und/oder blond ist)
  • Hinweis auf den kalten Winter (gerne im Bereich Metal, hier auf ganz Skandinavien übertragbar)
  • Astrid Lindgren: Ihre Figuren Pippi Langstrumpf und Karlson vom Dach tauchen im musikalischen Kontext auf
  • Knäckebrot nicht vergessen!
  • Und der Hinweis, dass Schweden erstaunlich viele erfolgreiche Musiker hat

Eine typische Klischee-Rezension des neuen Albums von The Sounds könnte also so aussehen:

Nicht erst seit Abba wissen wir, dass Schweden ein kleines Land mit einer Menge talentierter Musiker und Bands ist. The Sounds aus Helsingborg sind seit 1999 aktiv und erinnern entfernt an die Cardigans. Das liegt nicht nur an Sängerin Maja Ivarsson, sondern auch an der Mischung aus eingängigem Poprock und knäckebrot-trockenen Rhythmen. Ihr neues Album "Weekend" ist der ideale Soundtrack für ein Pipi-Langstrumpf-Leben. Zeilen wie "If you're wondering what it's like to be me. I live for the weekend, baby" oder Titel wie "Shake Shake Shake" sind ja nichts anderes als der Befehl, das Leben wie den Aufenthalt in der Villa Kunterbunt zu genießen. Oder den kalten Winter einfach wegzutanzen.

Nun aber ernsthaft, jenseits aller Stereotype über die schwedische Musikkultur: Mir hat "Weekend" erstaunlich gut gefallen. Erstaunlich deshalb, weil The Sounds gerne die Abkürzung zur Eingängigkeit, zur einfachen Harmonieauflösung nehmen. Bayern 3 ist da manchmal näher als mir lieb ist (hier: "Too Young To Die", "Hurt The Ones I Love").

Andererseits: Gefällig heißt nicht billig. Einige Titel ("Weekend", "Shake Shake Shake", "Young And Wild", "Take It The Wrong Way") sind klassische Tracks für WG-Party- oder "Ich-muss-noch-Büroarbeit-machen-und-brauche-nette-Musik"-Playlists. Manchmal ist Musik eben nicht für die einsame Insel, sondern für die gute Laune im tristen November.

  • Wäre dieses Album eine Smiley, wäre es \o/
  • Wäre dieses Album ein Gericht, es wäre Pizza.
  • Wäre dieses Album ein Partyzimmer, es wäre das zur Tanzfläche umfunktionierte Wohnzimmer der Eltern.

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