Hollywood Aufregung um neue Oscar-Kategorie

  • Die Oscars sollen kürzer werden, da in den vergangenen Jahren die Einschaltquoten stark gesunken sind.
  • Die US-Filmakademie hat außerdem entschieden, eine neue "Blockbuster"-Kategorie für populäre Filme einzuführen.
  • In Hollywood kommt die Reformankündigung nicht gut an.
Von Beate Wild, Austin

Die Oscars dauern zu lang, sind langweilig und spiegeln den Massengeschmack nicht wider: Aus diesem Vorwurf von Kritikern hat die Academy of Motion Pictures Arts and Sciences nun Konsequenzen gezogen. Die neue Kategorie "Bester Blockbuster-Film" und eine straffere Show sollen den Oscars zu neuer Popularität und zeitgemäßerem Glanz verhelfen.

Zu den Hauptkritikern hatte nicht zuletzt der TV-Sender ABC gehört, der die mehrstündige Hollywood-Gala ausstrahlt: Nach den miesen Einschaltquoten im März 2018, immerhin 19 Prozent weniger Zuschauer als noch im Jahr davor, hätten die ABC-Verantwortlichen Druck auf die Academy ausgeübt, berichtet die stets gut informierte Seite Variety. Vor allem jüngere Zuschauer interessierten sich nicht mehr für das Verleihungsspektakel, so der Vorwurf.

Die letzte Oscar-Übertragung dauerte drei Stunden und 54 Minuten

Mit der neuen Preiskategorie für "Herausragende Leistung im populären Film" will die häufig des Snobismus beschuldigte Academy offenbar den Massengeschmack stärker berücksichtigen. Doch was man sich genau unter dieser neuen Kategorie vorstellen kann, ist bislang unklar, die Kriterien sind nicht bekannt.

Den Hauptpreis für den "Besten Film" verleiht die Akademie seit Jahren regelmäßig an Werke, die beim breiten Publikum eher bescheidenen Erfolg haben. Etwa "The Shape of Water" (2017), "Moonlight" (2016) oder "Birdman" (2014). Solche Filme werden ausgezeichnet, weil sie als künstlerisch wertvoll gelten. Doch wirkliche Publikumserfolge sind Fortsetzungs-Reihen wie "Star Wars", "Mission Impossible" oder so ziemlich jeder Film aus dem Marvel-Universum.

Ein weiterer Grund, warum das Interesse der Zuschauer an der Preisverleihung rapide gesunken ist, dürfte die immer länger dauernde TV-Übertragung sein. Die 90. Oscar-Verleihung im März 2018 hatte drei Stunden und 54 Minuten gedauert. In Zeiten, in denen das lineare Fernsehen immer mehr an Bedeutung verliert, ist das sehr lang.

Künftig soll die Show deshalb höchstens drei Stunden dauern. Die Zahl der Oscars sinkt freilich nicht, weshalb manche Auszeichnung nun einfach während der Werbepause verliehen werden soll. Später während der Übertragung soll ein kurzer Zusammenschnitt dieser Ehrungen gezeigt werden.

Kritik und Entsetzen in Hollywood

In Hollywood wurden die angekündigten Neuerungen mit Kritik und Entsetzen aufgenommen. Branchenexperten, Schauspieler und Filmkritiker twitterten umgehend ihre Empörung. Die zusätzliche Blockbuster-Kategorie sei "denkfaul", "erschütternd ungeschickt" und "ein riesiger Rückschritt für das Filmgenre". "Mit der Ankündigung eines "populären Film"-Oscars ist heute das Filmgeschäft gestorben. Es war seit Jahren bei schlechter Gesundheit", schrieb Schauspieler Rob Lowe.

Das Time Magazine kommentierte, es sei ein schwacher Versuch der Akademie, mit dem neuen Oscar die "großen Geldverdiener" zu ehren, "als wäre Geld in Hollywood nicht eine eigene Auszeichnung". Gleichzeitig sollten wohl die Kinobesucher für ihren Geschmack gebauchpinselt werden, selbst wenn sie Arthouse-Filme meiden wie der Teufel das Weihwasser. "Die Akademie denkt, dass das Publikum dumm ist", schlussfolgerte das Magazin. Das Rolling-Stone-Magazin wiederum fragte aufgebracht: "Was zum Teufel denkt sich die Akademie?". Großartige Filme setzten die Kinokassen eben nicht immer in Brand. Und das müssten sie auch gar nicht.

Kassenschlager vs. Arthouse

Und noch ein Verdacht steht im Raum: Dass man im Jahr 2019 damit dem Superhelden-Blockbuster "Black Panther", einer hochgelobten und fast durchgehend afroamerikanischen Marvel-Produktion, zum Oscar verhelfen wolle. Diese Vermutung twitterte Filmkritiker David Sims vom Magazin The Atlantic. In Filmkreisen werde die neue Kategorie bereits als Black-Panther-Oscar bezeichnet, bestätigt auch Vanity Fair. Dabei hätte der Film doch auch das Zeug, den Oscar für den "Besten Film" zu gewinnen. Unklar ist bislang allerdings, ob die Neuerungen bereits 2019 eingeführt werden.

Scott Feinberg, der Oscar-Kolumnist von The Hollywood Reporter, bezeichnet das Gejammere über die Entscheidung der Akademie dagegen als "Alte-Welt-Denke". "Mehr als die Länge der TV-Übertragung oder der Name des Moderators sind für die Einschaltquoten der Oscars immer die Popularität der nominierten Filme beim Publikum entscheidend gewesen", schreibt Feinberg.

In jüngster Zeit sei die Kluft zwischen den Kassenschlagern und den Oscar gekrönten Filmen jedoch nie größer gewesen. Kurz gesagt: Der Oscar versucht, Anschluss an die Realität zu finden.

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