Oscarpreisträger Andrzej Wajda ist tot:Vom Schicksal erzählte Geschichten

Mit "Der Mann aus Eisen" arbeitete er 1981 die Geschichte der Streiks an der polnischen Ostseeküste und das Ringen um freie Gewerkschaften auf. Nach der Verhängung des Kriegsrechts 1981 wurde Wajda in seiner Heimat mit einem Berufsverbot belegt. Stattdessen bekam er Aufträge in Frankreich und der Bundesrepublik, wo er die Filme "Danton" und "Eine Liebe in Deutschland" drehte.

Nach dem Sturz des Kommunismus thematisierte er 1995 in der Romanverfilmung "Karwoche" den polnischen Antisemitismus und drehte 2007 den Film "Katyn" über Massaker an mehr als 22 000 kriegsgefangenen polnischen Offizieren durch die sowjetische Geheimpolizei im Zweiten Weltkrieg.

Erst 2013 schloss Wajda nach "Mann aus Marmor" und "Mann aus Eisen" mit der Filmbiografie "Wałęsa. Der Mann aus Hoffnung" seine "Danziger Filmtrilogie" ab. Auch mit diesem Werk, das den Solidarność-Gründer Lech Wałęsa in einem guten Licht erscheinen lässt, eckte er bei der polnischen Regierung an. Wałęsa ist ein Widersacher von PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski, dessen Partei die derzeitige nationalkonservative Regierung in Warschau stellt.

Über seine Filme sagte Wajda einst, sie seien vom Schicksal erzählte Geschichten, in denen er selbst auch ein Teil gewesen sei. Trotz seines Interesses für die politischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts sei Wajda auch stark von der Romantik des 19. Jahrhunderts beeinflusst gewesen, sagte Roman Polanski einmal der New York Times. Dies zeige sich in seinen Filmen "Blut der Leidenschaft" (1961) "Die Pforten des Paradises" (1968) und "Pan Tadeusz" von 1999.

Neuer Film noch kurz vor Lebensende

Medienberichten zufolge war Wajda krank und vor wenigen Tagen in ein Krankenhaus gebracht worden. "Wir haben gehofft, dass er wieder rauskommt", sagte der polnische Drehbuchautor und Regisseur Jacek Bromski dem Sender TVN 24. Wajdas Tod sei für ihn überraschend gekommen.

Ende September hatte der 90-Jährige noch beim polnischen Filmfest in Gdynia seinen neuesten Film "Powidoki" ("Nachbilder") vorgestellt. Er handelt vom polnischen Avantgarde-Maler Władysław Strzemiński (1893-1952), der sich der kommunistischen Regierung widersetzt hatte. "Ich habe einen Film gemacht, der zeigt, dass das Eingreifen in die Kunst nicht Aufgabe der Regierung ist", hatte Wajda in einem Interview mit der Nachrichtenagentur PAP gesagt. Der Film ist Polens Kandidat für den besten fremdsprachigen Oscar.

Der Regisseur hinterlässt seine vierte Frau, die Schauspielerin und Bühnenbildnerin Krystyna Zachwatowicz, und eine Tochter, Karolina.

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