Neues Album von Justin Timberlake:Selbstironisch und lovely

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Und was sage ich? Ich würde sagen, dass auf diesem Album all die bislang scheinbar zeitlos tollen breitwandig-flackernden Synthie-Schnipsel, die bei Michael Jackson geborgten Falsett-Säuseleien und voluminösen Stop-and-go-Beat-Brösel des avancierten R'n'B des vergangenen Jahrzehnts zu hören sind, die die beiden ersten Alben Timberlakes - also "Justified" von 2002 und "FutureSex/LoveSounds" von 2006 - zu so großartigen Pop-Alben machten und noch immer machen.

Aber Songs wie "Senorita", "Like I Love You", "Cry Me A River", "What Goes Around Comes Around" oder "Sexy Back", die den ehemaligen Disney-Kinderstar und Boy-Group-Hampelmann Justin Timberlake zu einem Star und Popmusik-Künstler eigenen Rechts machten - Songs dieser Qualität fehlen auf "The 20/20 Experience" leider völlig. Alles plätschert etwas allzu solide dahin, wie schon die erste Single "Suit & Tie".

Und es stimmt auch nicht wirklich, dass Tim Mosley, der unter dem Namen Timbaland einer der drei wichtigsten R'n'B-Produzenten des vergangenen Jahrzehnts ist, endlich seine anhaltende Formkrise überwunden hat. Er hat vielmehr auf höchstem Niveau ein eher uninspiriertes Sofa-Soul-Album produziert, auf dem über die Hälfte der Songs länger als sieben Minuten ist, ohne dass man versteht, warum das so sein musste. Außer natürlich, dass es so irgendwie erwachsener, ambitionierter erscheint. Aber wer die jüngsten Auftritte Timberlakes in der Late-Night-Show von Jimmy Fallon, bei Saturday Night Life oder im BBC bei Jonathan Ross gesehen hat, der war natürlich trotzdem hingerissen von diesem liebenswerten, begnadeten Entertainer.

Die großen Momente

Wen kümmert es, dass ein neues Timberlake/Timbaland-Album degradiert wird zum bloßen Anlass für Fernsehauftritte, wenn das Momente ergibt, wie den vierten Teil der History-of-Rap-Nummer. Mithilfe der Roots, die im Nebenberuf die Studioband der Show ist, rappte sich Timberlake da wieder einmal so verblüffend leichtfüßig wie gekonnt mit Fallon durch ein Medley berühmter Hip-Hop-Hits. Auch das in derselben Woche bei Fallon mit eigener Band live aufgeführte Medley seiner besten alten Songs war einer jener Fernsehmomente, die immer so lange rar sind, bis einer wie Timberlake sie im Dutzend hinlegt. Einfach so.

Der Mann kann auf einer Bühne und mit einem Mikrofon alles: singen, rappen, tanzen, schauspielern und wirklich lustig sein. Ja, das auch noch - und alles immer schön supernett mit links. Egal ob als er selbst, als Tofu verkleidet bei Saturday Night Life oder beim Minigolf nach fünf strammen Tequila-Shots in der BBC, wo ihm Jonathan Ross während des Interviews plötzlich grinsend zwei Schnapsgläser und eine Flasche des Timberlake-Tequilas vor die Nase stellte.

Einzig vielleicht, dass er die Vagina seiner Frau in "Strawberry Bubblegum" mit einem ebensolchen Erdbeer-Kaugummi vergleicht und sein eigenes Geschlechtsteil mit einem Blaubeer-Lollipop - das erscheint nicht so locker stilsicher. Man würde sich aber gar nicht wundern, wenn das auch einfach nur die Vorlage wäre für die nächste grandiose Saturday-Night-Life-Selbstparodie. Ach, lovely.

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