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Musical:Unweigerlich richtig

Sherlock Holmes

In die Jahre gekommen, aber kein Stück weniger eitel: Dr. Watson (Frank Logemann, links) und Sherlock Holmes (Ethan Freeman) auf der Suche nach der Wahrheit.

(Foto: Mirco Wallat)

Das Musical "Sherlock Holmes - Next Generation" lässt das Publikum im Deutschen Theater lachen und weinen

Einfache Diebstähle, Intrigen und verschwundene Katzen - solch banale Fälle interessieren Sherlock Holmes und Dr. Watson nicht. In die Jahre gekommen, aber kein Stück weniger eitel, lassen sie sich von Mrs. Mason bedienen, und belächeln den unfähigen Inspektor von Scotland Yard. Durch die Rückkehr des berühmtesten Diamanten der Welt, dem ägyptischen Auge des Horus, und einem damit verbundenen Attentat wird Holmes jedoch von seiner Vergangenheit und seinem totgeglaubten Erzfeind Moriarty eingeholt.

Das Musical von Rudi Reschke erzählt die Geschichte der nächsten Detektivgeneration in der Bakerstreet 221 b. Der erfolgreiche Musicaldarsteller Ethan Freeman als Sherlock Holmes unterhält das Publikum mit markigen Sprüchen und emotionalen Balladen. Frank Logemann als Dr. Watson steht ihm bei dieser aufgewärmten Fehde aus der Vergangenheit so treu wie eh und je zur Seite. Im Mittelpunkt der Inszenierung von Movin Act Productions steht die Nachfolge des namhaften Agenten. Der junge John (Merlin Fargel) entdeckt sein Gespür für Kriminalfälle und seine Verbindung zu Sherlock Holmes. Eine enge Verbindung entwickelt er auch zu Catherine (Alice Wittmer), die tiefer in den Fall verwickelt ist, als sie sich vorstellen kann.

Das Stück lässt das Publikum den Atem anhalten, lachen und auch ein paar Tränen vergießen. Die flache Liebesgeschichte wird durch Catherines emanzipiertes Auftreten aufgepeppt und auch die etwas plumpen Darstellungen asiatischer Rotlichtlokale und ägyptischer Tänzerinnen mag man dem Musical verzeihen - spielt die Geschichte doch 1910, lange vor feministischer und postkolonialer Debatte. Bei der Jagd nach dem Auge des Horus kommen die Detektive mit einem "blauen Auge davon" und stehlen Scotland Yard mal wieder die Schau. So scharfsinnig Sherlocks Nachfolger John auch sein mag, er stellt sich doch immer wieder die Frage: "Was würde Sherlock Holmes tun?" Dieser scheint am Ende tatsächlich zu akzeptieren, dass selbst er die Ermittlungsverantwortung irgendwann abgeben muss und findet eine würdige und moderne Nachfolge.

Sherlock Holmes - Next Generation, Deutsches Theater, Schwanthaler-Str. 13, bis 30.6., Di.-So.

© SZ vom 24.06.2019
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