"Minions - Auf der Suche nach dem Mini-Boss" im Kino:Einfach fallen lassen

Lesezeit: 2 min

"Minions - Auf der Suche nach dem Mini-Boss" im Kino: Die Minions sind von Sidekicks zu Hauptdarstellern geworden.

Die Minions sind von Sidekicks zu Hauptdarstellern geworden.

(Foto: Illumination Entertainment/Universal)

Der Witz der "Minions" packt mit seiner Schlichtheit alle Generationen. In einer Zeit, in der Humor längst ein Politikum geworden ist.

Von Josef Grübl

Wer sich schon immer gefragt hat, warum die Minions aussehen wie sie eben aussehen, bekommt in ihrem neuen Film eine ziemlich erhellende Antwort: Da jagen ein paar Superschurken die Titelhelden, die ja auch immer ein bisschen an Pillen mit Brillen erinnern, oder an die gelben Kapseln aus Überraschungseiern. Es geht durch die Straßen von San Francisco - und genau hier gereicht ihnen ihre Form zum Vorteil: Die Minions lassen sich fallen und rollen mit einem Affenzahn die steilen Straßen hinunter, unerreichbar für ihre Verfolger. Überhaupt haben die gelben Spaßbomben oft einfache Antworten auf komplizierte Fragen, vermutlich macht das ihre Popularität aus: Denn hätten wir nicht alle lieber simple Lösungen? Ein einfacheres Leben? Und wollen wir uns nicht alle mal fallenlassen - gerne mit Karacho, gerne in San Francisco?

Jetzt ist die ehemalige Hippie-Metropole ja heute eine überteuerte Schlafstadt für Computernerds, deshalb haben die Computernerds aus dem Hause Illumination Entertainment das jüngste Minions-Abenteuer in die Siebzigerjahre verlegt. Dorthin verschlägt es den elfjährigen Gru, den die Zuschauer bisher nur als erwachsenen Gru kannten. Schurkenambitionen hat er aber bereits als Kind. Zum ersten Mal sah man den Möchtegernfiesling 2010 im Kinohit "Despicable Me", schon damals waren die chaotischen Minions mit ihren blauen Latzhosen, Schweißerbrillen und ihrer Nonsens-Sprache stets an seiner Seite. Damals fiel ihnen noch die Sidekick-Rolle zu, beim Publikum waren sie aber so beliebt (und ließen sich so gut vermarkten), dass ihre Auftritte immer weiter ausgebaut wurden. 2015 bekamen sie ihren eigenen Film. Der wurde noch erfolgreicher als die "Despicable Me"-Reihe, deshalb folgt jetzt das (wegen der Pandemie mehrfach verschobene) Sequel, mit einem kindlichen Gru, neuen Superschurken und einem fiesen Hippie-Opa, der am Ende aber doch ganz nett sein kann.

Der Humor der Minions setzt aufs Visuelle, auf Chaos und Anarchie wie die Komödien der Stummfilmzeit

Es gibt viele popkulturelle Referenzen, zum Weißen Hai, zu James Bond oder zur James-Bond-Parodie "Austin Powers". Im Mittelpunkt stehen aber die Minions, sie sind gaga wie eh und je, herrlich respektlos und hemmungslos infantil. Ihr Humor ist direkt und kommt beinahe ohne Worte aus: fast so wie in den Slapstickkomödien der Stummfilmzeit, in denen die Komik aufs Visuelle reduziert wurde, in denen man auf Chaos und Anarchie setzte - und stets eine Schneise der Zerstörung hinterließ. Es ist eine pure Form von Physical Comedy, auch wenn es in diesem Fall gelbe Kapseln mit Augen und Latzhosen sind, die geschlagen, geschubst oder geschunden werden. Im Flugzeugcockpit reißt der zweiäugige Kevin die Maschine so wild in die Höhe, dass sein Kumpel, der einäugige Stuart, im Klo stecken bleibt. Dafür übt Stuart beim Kung-Fu-Training den Bruchtest am Brett extra lange mit Kevins Kopf.

Und dann singen die Minions auch noch die schönste Coverversion eines Rolling Stones-Songs, dass selbst Mick Jagger Tränen in den Augen hätte: "You can't always get what you want". Das kann man doof finden oder saukomisch, am Ende aber kriegen diese gelben Anarchisten alle, die sie wollen: die Jungen, die Alten - und all die dazwischen auch. Der Witz ist einfach, aber generationenübergreifend. In einer Zeit, in der Humor längst ein Politikum geworden ist, in der viele Gags nicht mehr gemacht werden und in der selbst erfahrene Comedians an politischen Korrektheiten verzweifeln, machen die Minions einfach immer weiter. Und wenn das nicht mehr reicht, lassen sie sich fallen und rollen durch die Straßen von San Francisco.

Minions: The Rise of Gru, USA 2022 - Regie: Kyle Balda. Mit den Stimmen von: Steve Carell, Alan Arkin (im englischen Original), Oliver Rohrbeck, Thomas Gottschalk (deutsche Fassung), Universal Pictures, 87 Minuten. Kinostart: 30. Juni 2022.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusThomas Gottschalk im Interview
:"Die junge Generation heute ist so weichgekocht und so ängstlich"

Thomas Gottschalk erklärt, warum er keine Influencer mag, man Tom Cruise bei "Wetten, dass..?" nicht über Scientology ausquetschen kann und wie er den Bösewicht im neuen "Minions"-Film spricht.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB