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Kino:Michel Piccoli ist tot

Schauspieler Michel Piccoli gestorben

Der französische Schauspieler Michel Piccoli nach der Vorführung des Films "Le Général de l'armée morte", 1983.

(Foto: Eric Gaillard/dpa)

Der französische Schauspieler wurde mit Rollen in Filmen wie "Die Verachtung" und "Die Dinge des Lebens" zur Legende.

Die französische Schauspiel-Legende Michel Piccoli ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Er sei am 12. Mai den Folgen eines Schlaganfalls erlegen, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf einen Freund der Familie. Der gebürtige Pariser hat in mehr als 220 Filmen mitgewirkt, darunter in Klassikern wie "Tagebuch einer Kammerzofe" und "Der diskrete Charme der Bourgeoisie".

Michel Piccoli wurde 1925 in Paris geboren. Er entstammt einer Musikerfamilie italienischer Herkunft, die bereits seit mehreren Generationen in Paris ansässig ist. Sein Vater war Geiger, die Mutter Pianistin. Nachdem er als Jugendlicher in einigen Laieninszenierungen mitgespielt hatte, begann er nach der Schule - gegen den Willen seiner Eltern - Schauspielunterricht zu nehmen.

1963 schaffte Michel Piccoli - nachdem er bereits kleinere Rollen in gut 50 Filmen gespielt hatte - mit der Hauptrolle in Jean-Luc Godards Drama "Die Verachtung" an der Seite von Brigitte Bardot den Durchbruch. Von da an boten ihm die großen Regisseure Europas Charakterrollen an. Internationale Anerkennung bekam er unter anderem als Hauptdarsteller in Luis-Buñuel-Filmen - neben "Tagebuch einer Kammerzofe" (1964) etwa "Schöne des Tages" (1967). Mit dem Regisseur Jacques Demy drehte er das Liebesdrama "Die Mädchen von Rochefort" (1967), mit Alfred Hitchcock den Thriller "Topaz" (1969).

Eine häufige Leinwandpartnerin war neben Catherine Deneuve auch Romy Schneider, mit der er sechs Filme zusammen drehte - unter anderem "Die Dinge des Lebens" und "Das Mädchen und der Kommissar".

In den Siebzigerjahren trat Piccoli in mehreren Filmen auf, die Skandale auslösten, so zum Beispiel "Das große Fressen" oder die Horrorkomödie "Trio Infernal", in der er einen Mörder spielte, der seine Opfer in Salzsäurebädern auflöst.

1980 wurde er in Cannes mit der Goldenen Palme für die Hauptrolle in Marco Bellocchios Drama "Der Sprung ins Leere" augezeichnet, 1982 gewann er bei den Berliner Filmfestspielen einen silbernen Bären für seine Rolle in Pierre Granier-Defferes Drama "Eine merkwürdige Karriere". 2007 wurde er auf dem Filmfestival von Locarno mit dem Ehrenleoparden für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Mit der Komödie "Alors voilà" gab Michel Piccoli 1997 sein von der Kritik hoch gelobtes Debüt als Spielfilmregisseur. Seine weiteren Regiearbeiten waren allerdings nicht von allzu großem Erfolg gekrönt.

Auch in späteren Jahren dachte der vielbeschäftigte Piccoli nicht ans Aufhören. In Manoel de Oliveiras Hommage "Belle toujours" (2006) auf Luis Buñuels Klassiker "Belle de jour" übernahm er wiederum die Hauptrolle. 2011 spielte er in der Tragikomödie "Habemus Papam" einen depressiven Papst, der sich seinem Amt nicht gewachsen fühlt. In Thomas De Thiers Drama "Le goût des myrtilles" über ein altes Ehepaar, das sich in eine Fantasiewelt voller Wünsche und Ängste flüchtet, war der große Charakterdarsteller 2014 noch einmal in einer Hauptrolle zu sehen.

Michel Piccoli war seit 1978 in dritter Ehe mit der Großgrundbesitzerin Ludivine Clerc verheiratet. Zuvor war er von 1966 bis 1977 mit der Chanson-Sängerin Juliette Gréco verheiratet. Aus erster Ehe mit der Schauspielerin Eléonore Hirt hat er eine Tochter.

© SZ.de/dpa/khil/biaz
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