Marvel-Comics werden Klassiker:Ab in den Kanon

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Marvel-Comics werden Klassiker: Demnächst auch mit Goldschnitt: Sonderausgaben der Marvel-Comics "Black Panther", "Captain America" und "Spider-Man" erscheinen in der Klassiker-Reihe des Penguin-Verlags.

Demnächst auch mit Goldschnitt: Sonderausgaben der Marvel-Comics "Black Panther", "Captain America" und "Spider-Man" erscheinen in der Klassiker-Reihe des Penguin-Verlags.

Sonderausgaben von "Spider-Man", "Black Panther" und "Captain America" werden in die Buchreihe Penguin Classics aufgenommen.

Von Martina Knoben

Willkommen im Kanon! Neben klassischen Werken der Weltliteratur und Autorinnen und Autoren wie John Steinbeck, Virginia Woolf, Jorge Luis Borges, Pablo Neruda, Hannah Arendt oder Graham Green finden sich künftig auch Sonderausgaben der Comics "Spider-Man", "Black Panther" und "Captain America" in der Reihe Penguin Classics. Die ersten drei Bände sollen am 14. Juni erscheinen.

Es ist das erste Mal, dass Comics in der Reihe veröffentlicht werden, die für sich beansprucht "ein globales Bücherregal der besten Werke der Geschichte und aller Genres und Disziplinen darzustellen". Die Serie mit dem Namen "Penguin Classics Marvel Collection" entstand in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Comicverlag Marvel und legt Originalgeschichten ihrer berühmtesten Charaktere wieder auf. Sie diene "als Beweis für Marvels transformativen Einfluss auf Graphic Fiction und Ikonen und Geschichten in der gesamten Populärkultur", erklären die Herausgeber. Jeder Titel erscheint als schwarzes Taschenbuch sowie als Hardcover mit Goldfolienprägung und Goldschnitt. Der Comic, zumal der Superhelden-Comic, der lange als Schundlektüre und Kinderkram verschrien war, wird edel.

So ganz neu ist die Entwicklung nicht. 1992 wurde Art Spiegelman für seine Graphic Novel "Maus" mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, als erster Comic-Autor überhaupt. Seitdem schreitet die Veredelung - und in Teilen auch Eingemeindung und Domestizierung - der Schmuddelware unaufhaltsam voran. Comicautoren gewinnen Literaturpreise, wie kürzlich Birgit Weyhe den Lessing-Preis der Stadt Hamburg. "Klassische" Literaturverlage nehmen selbstverständlich Comics in ihr Programm, die dann häufig Graphic Novels heißen - das klingt dann gleich ganz anders.

Die Bände der angekündigten "Penguin Classics Marvel Collection" enthalten jeweils ein Vorwort eines Jugendbuchautors sowie eine wissenschaftliche Einführung. Und es werden große Worte bemüht, um die Aufnahme der Comics in den literarischen Kanon zu begründen. Ben Saunders, Professor für Englisch an der University of Oregon, Herausgeber der Serie und Autor der wissenschaftlichen Einführungen für "Captain America" und "The Amazing Spider-Man", vergleicht die Bildergeschichten, die in den 1960er Jahren bei Marvel entstanden, mit der Popmusik dieser Zeit. Die Schöpfer hätten unter enormem Zeitdruck in einem Medium gearbeitet, das als kommerziell galt und einen niedrigen Status hatte, und seien Teil einer ästhetischen Revolution geworden. "Es ist keine Übertreibung, sondern einfach eine Tatsache: Diese klassischen Marvel-Comics sind grundlegende Dokumente unserer Kultur." Begonnen wurde die Reihe Penguin Classics übrigens mit einer Übersetzung der "Odyssee" von Homer. Auch so eine bunte Abenteuergeschichte in vielen Kapiteln mit einem Superhelden.

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