Marek Lieberberg über "Rock am Ring":"Wissen Sie, ich stehe da im Sturm. Inmitten der Journalisten."

Lesezeit: 4 min

Haben Sie sich von den Behörden schlecht betreut oder informiert gefühlt?

Nein, das kann ich nicht sagen. Sie haben mir ihre Sicht der Dinge dargelegt und ich ihnen meine.

Wie viel Einfluss auf die Sicherheit hat man denn als Veranstalter?

Wir entsprechen dem gesteigerten Sicherheitsbedürfnis. Und nehmen die Gefahren stets sehr ernst. So haben wir beispielsweise die Anzahl der Ordner und die Einsatzzeiten erhöht. Wir beobachten die Veranstaltungsstätten und deren Umgebung mit Spottern und Profilern. Jeder Besucher muss sich einer gründlichen Kontrolle unterziehen und darf nur noch die Utensilien mitnehmen, die er unbedingt benötigt. Dennoch, einhundert prozentige Sicherheit wird es nie geben.

Sicherheit bei Veranstaltungen ist also eine Illusion?

Wir tun, was notwendig ist - und mehr. Der unfassbar friedliche und disziplinierte Abgang von 85.000 Menschen in nur 15 Minuten hat dies gezeigt. Sicherheit ist eine gemeinsame Anstrengung aller Beteiligten.

Machen Sie Backgroundchecks der Leute, die für Sie arbeiten?

Wir registrieren unsere Mitarbeiter und wir geben der Polizei auf Anforderung Listen. Bei 4000 Menschen können Sie sich vorstellen, dass dies nicht gerade einfach ist.

Sie haben bei Ihrer gestrigen Pressekonferenz im Eifer des Gefechts sehr schnell einen islamistischen Hintergrund angenommen - und daraus auch eine Art Vorwurf abgeleitet: "Ich bin der Meinung, es muss jetzt Schluss sein mit 'This is not my Islam.' (...) Jetzt ist der Moment, wo jeder sich dagegen artikulieren muss. Ich möchte endlich mal Demos sehen, die sich gegen diese Gewalttäter richten."

Angenommen habe das nicht ich, sondern die Behörden. Man hatte mich informiert, dass die festgenommenen Personen zur salafistischen Szene gehören.

Und der Vorwurf?

Wissen Sie, ich stehe da im Sturm. Inmitten der Journalisten. Alleine. Ich bin hoch emotionalisiert, Reporter bedrängen mich. Es kann gut sein, dass ich da etwas übers Ziel hinausgeschossen bin. Ich erwarte jedoch von allen Beteiligten eine eindeutige Gegnerschaft zu Gewalt und Terror. Nach meiner Wahrnehmung haben es die Menschen muslimischen Glaubens bisher leider weitgehend versäumt, dies auch in entsprechenden Demonstrationen zu artikulieren.

Daran kann sich eine gewaltige Kulturdiskussion entzünden.

Ich kann verstehen, dass Menschen sensibel drauf reagieren. Aber ich finde die Zeiten erfordern, dass wir - und zwar wir alle - uns positionieren und uns wehrhaft zeigen gegen Gewalt und Fanatismus. Und ich habe ja niemanden ausgegrenzt. Es wird auf Dauer nicht helfen, wenn wir nach Anschlägen nur Denkmäler wie das Brandenburger Tor oder den Eifelturm in Nationalfarben anstrahlen. Mir ist übrigens noch sehr wichtig zu betonen, dass der Vorwurf, ich hätte bei dieser Pressekonferenz aus betriebswirtschaftlichen Interessen heraus versucht, eine Absage zu verhindern, Unsinn ist.

Weil Sie versichert sind?

Richtig. Wir sind gegen Terrorismus versichert. Mir ging es bei dem, was ich gesagt habe, ausschließlich um die Fans und um das Festival. Und darum, eine richtige Entscheidung herbeizuführen. Meine Söhne und ich waren übrigens die ganze Zeit über dort, wo das Epizentrum eines Anschlags vermutet wurde. Und ich war der Letzte, der hier vom Gelände gegangen ist!

Anmerkung: Der Anschlag auf das Konzert von Ariana Grande in Manchester fand genau genommen nicht vor der Halle statt, sondern im Foyer.

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