"Mad Max: Fury Road" in der SZ-Cinemathek:Ein Film wie ein Monstertruck

Mad Max: Fury Road

Kämpfer in der Materialschlacht: Tom Hardy als Mad Max

(Foto: Jasin Boland/dpa)

Teil eins war brav, Teil zwei begründete das "Mad Max"-Gefühl, Teil drei war vor allem Tina Turner. Und Teil vier - "Fury Road"? Dieser Höllenkonvoi würde die alten Filme einfach unter den Rädern zermalmen.

Von Tobias Kniebe

Alle Roadmovies müssen motorisiert sein. Schließlich wollen sie dem Zuschauer eine Mitfahrgelegenheit bieten, Landschaften durchqueren, interessante Reisegenossen am Wegesrand auflesen und am Ende irgendwo ankommen. Es gibt sie in verschiedensten PS-Klassen und Hubraumgrößen. "Mad Max: Fury Road", der am Donnerstag seine Weltpremiere in Cannes feiern wird und zugleich überall in die Kinos kommt, ist in diesem Sinn ein Monstertruck, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat.

Nicht neu, schon etwas rostig, aber aufgerüstet und hochfrisiert und umgeschmiedet, als ob es kein Morgen gäbe. Auf jeden Riesensattelzug ist da noch mal eine Mercedes- oder VW-Karosserie draufgeschweißt. Dazu Schießstände und Flammenwerfer und Abwehrstacheln, Panzerschilde und Räumschaufeln und Ketten mit Enterhaken, tonnenschwere Extratanks und Nitrobeschleuniger - und, weil der Spaß nicht zu kurz kommen darf, auch noch Lautspechertürme, die sämtliche Eingeweide in einem Open-Air-Stadion neu arrangieren könnten.

Dieser Höllenkonvoi, einmal in Bewegung gesetzt, würde auch die alten "Mad Max"-Filme, einst das Maximum an filmischer Motorleistung, einfach unter den Rädern zermalmen.

Seit jeher ein rechter Trash-Mythos

Als staunender Beifahrer wird man mit Motorengebrüll in den Kinosessel gedrückt, während die Bilder unaufhörlich aufs Gas gehen. Nun muss man sagen, dass "Mad Max" schon seit jeher ein rechter Trash-Mythos ist. Im ersten Teil Ende der Siebzigerjahre ging es noch ganz bescheiden los. Der junge Mel Gibson hatte Babyspeck im Gesicht, und als Mad Max war er gar nicht wirklich mad. Er arbeitete als relativ zurechnungsfähiger Straßenpolizist und liebte Frau und Kind - bis sein bester Kumpel einer Motorradgang zum Opfer fiel. Danach quittierte er den Dienst. Erst als auch seine Liebsten von den Rockern überfahren wurden, mutierte er zum gesetzlosen Rächer, und ein aufgemotzer V8-Ford Falcon wurde das Geschoss seiner Wahl.

Das eigentliche "Mad Max"-Gefühl stammt aus dem zweiten Teil: Die Erde ist wüst und leer, die technische Zivisation liegt in Ruinen. Die Überlebenden haben sich in Gangs organisiert und kämpfen mit Messern, Killer-Bumerangs, Armbrüsten und ihren wenigen verbleibenden Kugeln um das wenige verbleibende Benzin. Mad Max ist nun der ewig haltlose Einzelgänger, der sich selbst mit den rechtschaffenden Betreibern einer Do-it-Yourself-Ölraffiniere nur kurz verbünden kann - er muss weiter, getrieben von den Dämonen der Vergangenheit. Gott weiß wohin.

Das Finale dieses zweiten Teils aber etablierte den Thrill-Ride, der Hollywood nun all die Jahre keine Ruhe mehr gelassen hat. Da fährt Mad Max einen schwer bewaffneten Tanklastzug durch die Wüste, um einen Belagerungsring zu durchbrechen und das wertvolle Benzin an einen fernen Ort zu bringen, wo endlich Frieden warten soll. Verfolgt wird er von ganzen Horden von Banditen in offenen Jagd-Vehikeln, die malerische Staubfahnen in die Wüste zeichnen. Es entspinnt sich ein Kampf in voller Fahrt, bei dem ein Gefährt nach dem anderen explodiert oder unter die Räder kommt, während die Menschen von Wagen zu Wagen springen und auf Motorhauben und Zugmaschinendächern in den Nahkampf gehen.

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