Peru:Altes Haus

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The Inca lost ruins at Machu Picchu, Peru. (Michael Just)

Die berühmten Ruinen von Machu Picchu in Peru.

(Foto: Michael Just/Imago Images)

Machu Picchu wurde wohl zwei Jahrzehnte früher errichtet als angenommen. Das verändert den Blick auf das Inkareich.

Von Hubert Filser

Der mächtige Inkaherrscher Pachacútec ließ seine berühmte Höhensiedlung Machu Picchu wohl zwei Jahrzehnte früher errichten als bisher angenommen. Analysen menschlicher Knochen und Zähne deuten darauf hin, dass die terrassenförmige, im Hochland Perus auf 2430 Metern Höhe gelegene Stadt bereits um das Jahr 1420 bewohnt war. Dies berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin Antiquity. Die Ergebnisse legen somit auch nahe, dass die Geschichte des frühen Inkareichs womöglich anders verlaufen sein könnte als in historischen Quellen beschrieben.

Bislang nannten Aufzeichnungen der spanischen Eroberer das Jahr 1438 als Datum für die Thronbesteigung von Pachacútec. Erst danach habe er seine Eroberungsfeldzüge gestartet, Machu Picchu erbaut, sein Einflussgebiet von Peru aus allmählich Richtung Süden ausgedehnt und das mächtigste Imperium des präkolumbianischen Amerikas geschaffen. Archäologen hatten sich bei ihrer Einschätzung auf die spanischen Berichte aus der Kolonialzeit verlassen. Diese sind allerdings erst knapp hundert Jahre nach der vermeintlichen Thronbesteigung niedergeschrieben worden, als die Spanier von 1532 an das mächtige Andenreich eroberten.

Skelettteile konnten mit Hilfe moderner Technik datiert werden

Belastbare Datierungen von Machu Picchu habe es bislang kaum gegeben, schreiben die Forscher um den Archäologen Richard Burger von der Universität Yale in Antiquity. Bis zu tausend Menschen lebten einst in der auf einem Bergrücken gelegenen Stadt. Die nun neu untersuchten Knochen und Zähne von insgesamt 26 Individuen stammen aus drei Grabhöhlen der Anlage. Forscher hatten die menschlichen Überreste bereits 1912 entdeckt. Erste Versuche, diese zu datieren, hatten zunächst zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt. Nun untersuchte Burgers Team die Skelettteile mit Hilfe der sogenannten Beschleuniger-Massenspektrometrie (AMS), einer verfeinerten Radiocarbondatierung, bei der der zeitliche Zerfall des radioaktiven Kohlenstoffisotops C-14 in organischen Materialien beobachtet wird. Diese eingebaute Kohlenstoff-Uhr verrät das Alter von Knochen und Zähnen und damit der Individuen, die einst in der heute weltberühmten Höhensiedlung lebten.

Der Studie zufolge war Machu Picchu von 1420 bis 1530 bewohnt, also etwa bis zur Zeit der spanischen Invasion des Inkareichs. Stimmen die Werte, könnte dies erhebliche Auswirkungen auf das Verständnis der Geschichte der Inka und die Herrschaft von Pachacútec haben - und würde auch die Zuverlässigkeit der historischen Berichte der Kolonialmächte in Frage stellen. "Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Diskussion über die Entwicklung des Inkareichs, die hauptsächlich auf kolonialen Aufzeichnungen beruht, revidiert werden muss", so Burger. "Moderne Radiokarbonmethoden bieten eine bessere Grundlage für das Verständnis der Inkachronologie als die widersprüchlichen historischen Aufzeichnungen."

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