bedeckt München 23°

Archäologie:Sensationsfund in Ägypten

Remains of an ancient military vessel discovered off the coast of Alexandria

Ein Taucher untersucht das antike Schiff.

(Foto: HANDOUT/VIA REUTERS)

Versenkt von Tempel-Trümmern: Bei der ägyptischen Stadt Alexandria haben Forscher ein antikes Schiffswrack entdeckt.

Von Tomas Avenarius

Der Fund eines rund 2000 Jahre alten Wracks einer antiken Galeere nahe der ägyptischen Stadt Alexandria ist gleich in dreifacher Hinsicht eine Sensation: Zum einen sind Wracks aus dieser Zeit sehr selten. Zum Zweiten sank das Schiff offenbar bei einer Naturkatastrophe. Und zum Dritten bestätigt der Fund die Genauigkeit der Schilderungen des griechischen Geschichtsschreibers Herodot, der ein Schiff eben dieses Typs beschrieben hatte.

Gefunden wurde das Wrack nahe der versunkenen antiken Stadt Herakleion-Thonis an der Mittelmeerküste am Nildelta nahe dem heutigen Alexandria. Das Forscherteam des Europäischen Instituts für Unterwasserarchäologie um den Franzosen Franck Goddio spricht von einem "phänomenal gut erhaltenen Wrack". Ebenso interessant klingen die Erklärungen, warum das ägyptische Boot gesunken sei. Untergegangen sei es wohl in Folge eines Erdbebens. Dabei seien Quader des berühmten Amun-Tempels von Herakleion auf das in einem Kanal vor der Kultstätte liegende Schiff gefallen; am Wrack wurden solche Quader gefunden.

Remains of an ancient military vessel discovered off the coast of Alexandria

Bei den Ausgrabungen am Meeresgrund fanden die Forscher auch weitere Gegenstände.

(Foto: HANDOUT/VIA REUTERS)

Auch das ägyptische Antikenmuseum bestätigte den Fund via Twitter. Das Wrack ist nicht der erste sensationelle Fund des Unterwasserarchäologen Goddio. Er hat bereits das ebenfalls versunkene königliche Viertel der Stadt Alexandria erforscht.

Der Fund dürfte zudem den Ruf des antiken Historienschreibers Herodot als Vater der Geschichtsschreibung festigen. Manche Kritiker halten den im fünften Jahrhundert vor Christus lebenden Griechen für eine Art schreibenden Münchhausen. Das könnte sich ändern, denn Herodot hat die Bauweise eines solchen ägyptischen Schiffes beschrieben. Das Wrack ist offenbar das erste gefundene antike Schiff, das in der von Herodot dargestellten Art gebaut wurde. Dadurch belegt es den Forschern zufolge die Genauigkeit seiner Beschreibungen und könnte seinen Ruf als Historiker der Antike festigen.

Remains of an ancient military vessel discovered off the coast of Alexandria

Auch dieses goldene Fragment wurde in der versunkenen Stadt Herakleion-Thonis gefunden.

(Foto: HANDOUT/REUTERS)

Das gut 2000 Jahre alte Schiff war eine Art Galeere, die wahrscheinlich als Kriegs- oder aber als Handelsschiff eingesetzt wurde. Es hatte ein langes Steuerruder am Heck und einen Mast und konnte gerudert oder gesegelt werden. Den Unterwasserarchäologen zufolge hat das Schiff eine Länge von mehr als 25 Metern. Der Rumpf sei von Schlick bedeckt und gut erhalten. Die Planken seien mit einer Zapfen-Technik verbunden worden, was dem Schiff sein spezifisches, von Herodot beschriebenes Äußeres gegeben habe. Dem britischen Historiker Damian Robinson zufolge hatte dieser "das Boot als mit innen verlaufenden Rippen beschrieben". Bisher habe keiner gewusst, was er damit wirklich meinte.

Die griechisch-ägyptische Stadt Herakleion-Thonis war bis zur Gründung des nahe gelegenen Alexandria durch Alexander den Großen der wichtigste ägyptische Hafen. Die Stadt soll in der Folge mehrerer Erdbeben zerstört worden sein. Der Erdboden hatte sich wegen der Beben abgesenkt, die Stadt rutschte offenbar immer weiter ab und versank später. Sie liegt heute rund sieben Kilometer vor der Mittelmeerküste nahe Alexandria in der Bucht von Abukir in etwa zehn Meter Tiefe. Die auf Inseln gebaute Stadt galt wegen des Amun-Tempels als religiöses Zentrum. Jahrhunderte später war die Bucht von Abukir Ort einer Seeschlacht: Der britische Admiral Nelson versenkte dort 1798 die französische Mittelmeerflotte, mit der der aufstrebende Napoleon für seine Ägypten-Expedition angelandet war.

© SZ
Zur SZ-Startseite
Philipp Adam Jünger Schnörkel Brief von Philipp Adam Jünger and Johann Georg Honold vom 27 Septem

SZ PlusArchäologie
:Die Geburt der Buchstaben

Bereits vor 3500 Jahren nutzten die Bewohner einer Siedlung im heutigen Israel eine Schrift auf Basis eines Alphabets. Wurde dort das erste Abc der Menschheit entwickelt?

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB