"Liberace" im Kino Mehr als eine Groteske

Was Michael Douglas als Liberace da abliefert, wurde gerade mit einem Emmy prämiert - ein großartiger, hinreißender Auftritt, charmant und verschlagen, irgendwie fast verführerisch. Als hätte sich Michael Douglas freigespielt und könnte nun ohne jeden Zwang agieren, eine Figur, die mit ihrer Künstlichkeit spielt, und der man dennoch jede Sekunde glaubt.

"Liberace" ist aber nicht nur deswegen ein wenig mehr als eine Groteske oder ein besonderer Auftritt eines Hollywoodstars. Soderbergh hat in diese Geschichte noch mal sehr klug verpackt, was im Kino immer sein Ziel war: Filme zu machen, die mehrere Ebenen und Lesarten haben, die einem Genre gerecht werden, Unterhaltung bieten - und hinter denen doch eine Haltung steckt, ein Weltbild.

Was Soderbergh - das ist schon darin begründet, dass Matt Damon Scott Thorson spielt - nicht ausbreitet: Als Liberace Scott kennenlernte, war der erst 16, als er den Job bei ihm annahm, war er 17 - also noch nicht ganz gar. Was dann erklären mag, warum er sich, allerdings ein paar Jahre später, diese absurden Schönheitsoperationen von Liberace hat einreden lassen. Was man dann aber sehr wohl sieht: Gut behandelt hat ihn Liberace vor allem dann, wenn ihm gerade der Sinn danach stand. Die meiste Zeit sehen wir ja, wie diese Beziehung, die so spektakulär leicht beginnt, zerbröckelt. Liberace hat Scott, die große Liebe seines Lebens, betrogen, sich mit ihm gestritten, ihn letztlich abserviert und vor Gericht besiegt. Und sich doch, kurz vor seinem Tod, mit ihm versöhnt.

Der Film macht es sich nicht leicht

So ist der Film dann vor allem ein Plädoyer für die Ehe, das organisierte Zusammenleben: Die beiden entzweien sich, wie das nach einigen Jahren manchmal eben so ist - das bedeutet in diesem Fall, dass Scott, der alles aufgegeben hat für diese Beziehung, vor dem Nichts steht. Und keine Rechte hat. Er wäre auf die Fairness seines ehemaligen Geliebten angewiesen, und das ist nicht genug.

Das ist das wirklich Bemerkenswerte an diesem Film: Er macht es sich gar nicht leicht. Das hier ist keine Romanze, ist nicht die Geschichte einer unanfechtbaren Schwulenliebe, von sympathischen Menschen, die einander alles bedeuten - sondern von zwei leicht derangierten Gestalten, die einander wehtun, einen unerhört schlechten Geschmack in Einrichtungsfragen haben und entsprechend wenig Urteilsvermögen bei der Wahl des gemeinsamen Schönheitschirurgen. Und am Ende mag man sie doch, und hinter der Fassade der Künstlichkeit entdeckt man ein ganz normales Paar, und man glaubt ihnen, dass sie einander geliebt haben. Auf ihre Art.

Behind the Candelabra, USA 2013 - Regie, Kamera, Schnitt: Steven Soderbergh. Drehbuch: Richard LaGravenese, nach den Memoiren von Scott Thorsen. Mit: Matt Damon, Michael Douglas, Dan Aykroyd, Rob Lowe, Scott Bakula, Debbie Reynolds. DCM Film Distribution, 118 Minuten