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Kulturförderung:21 Millionen für die freie Tanz- und Theaterszene

Das Metropoltheater im Münchner Norden erhält künftig 250 000 Euro mehr im Jahr an Unterstützung seitens der Stadt.

(Foto: Jakob Piloty)

Aufstocken will die Stadt etwa am Metropoltheater in Freimann. Dort hatten vor einigen Monaten Proteste gegen die Ausbeutung von Künstlern begonnen.

Zwanzig Jahre der Selbstausbeutung sind genug" - mit diesem Protestruf ist der Freundeskreis des Metropoltheaters im Juni 2017 an die Öffentlichkeit gegangen. Die passionierten Unterstützer sammelten Unterschriften und machten Druck auf die Politik. Das Freimanner Privat-Theater mit 250 Vorstellungen im Jahr könne mit 150 000 Euro von der Stadt - der Höchstfördersumme für freie Bühnen - nicht überleben.

Nun endlich scheint die künstlerische Wertarbeit auf Dauer gesichert: Weil das mehrmals als beste freie Bühne Deutschlands ausgezeichnete Haus aufgrund des breiten Repertoires, der Betriebsgröße, der Besucherzahlen und der überregionalen Präsenz mit einem kleinen Stadttheater vergleichbar sei, komme ihm eine Sonderstellung innerhalb der freien Bühnen zu - so erklärte Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers seinen Antrag, das Metropoltheater von 2018 an dauerhaft mit 250 000 Euro mehr, also mit insgesamt 400 000 Euro jährlich zu unterstützen. Der Kulturausschuss des Stadtrates stimmte dem Antrag einstimmig zu. "Wir sind absolut glücklich, dass uns die Stadt so unkompliziert und einheitlich entgegenkommt", sagt Intendant Jochen Schölch. Für ihn sei das auch "das Signal: Mach weiter so, mit all den Eigenarten, wie ich Theater mache."

Nun fehlt noch die Zustimmung vom Freistaat Bayern, ebenfalls "mindestens 200 000 Euro, lieber 400 000 Euro" Zuschuss zu gewähren. Nur so könne man das von Stadt und Land geforderte "Art But Fair"-Ziel erfüllen, sagt Schölch. Mit dem neuen Etat werden die Mitarbeiter besser bezahlt und neue Stellen geschaffen, damit die Künstler nicht auch noch tropfende Wasserhähne reparieren müssen. So könne man, sagt Schölch, mit mehr Probenzeit die Stücke - "auch sperrige Stoffe" - voranbringen. Durch die langfristige Förderung könne man auch mehr Kooperationen, zum Beispiel mit der Ruhrtriennale, eingehen.

Im Kulturausschuss sprachen sich die Stadträte auch für weitere Zuschüsse an freie Kultureinrichtungen aller Sparten und die Stadtviertel-Zentren im Haushalt 2018 aus: Insgesamt werden 21,06 Millionen Euro an 117 Empfänger verteilt. 25 private Institutionen dürfen mit mehr Geld rechnen - meistens, um Mehrkosten beim Personal zu decken. So erhält die Muffathalle zu ihrem Betriebskostenzuschuss von 850 000 Euro einmalig 75 000 Euro extra, um das Geburtstagsprogramm zum 25-jährigen Bestehen zu stemmen.

Das Kulturzentrum Feierwerk erhält zusätzlich zu 161 000 Euro Zuschuss nun jedes Jahr 10 000 Euro für seinen Band-Wettbewerb "Sprungbrett". Und der Münchner Bachchor - laut Kulturreferat "einer der wichtigsten Klangkörper innerhalb der Münchner Chorlandschaft" - soll nun jährlich 30 000 Euro bekommen, speziell um sein Programm durch zeitgenössische Werke weiter zu entwickeln.

Wie das Metropol wird auch das Hoch X als Sammelstätte der freien Tanz-, Theater- und Performanceszene nun mit gut 400 000 Euro bezuschusst - das sind 98 000 Euro mehr als bisher. Mehr Geld bekommen auch der Kunstverein (16 000 Euro), die Unterfahrt (11 000), Tanztendenz (25 000), das Marionettentheater (97 500), das Pathos (25 000), das Dok-Filmfest (71 000), das Comicfest (11 000) und der Kreis für Volksmusik, Lied und Tanz (118 000).

Auch das Eine-Welt-Haus bekommt mehr Geld - trotz des Widerstands der CSU

Lediglich beim Eine-Welt-Haus, das von 2018 an zu 371 000 Euro zusätzlich 66 000 bekommen soll, regte sich Widerstand bei der CSU-Fraktion. Stadtrat Mariam Offmann stellte die Förderung ganz infrage, weil das Eine-Welt-Haus trotz der Kritik von vielen Seiten weiter Räume an die Gruppe BDS ("Boycott, Divestment and Sanctions") vermiete. Deren Haltung, so Offmann, sei keine legitime Kritik am Staat Israel, sondern Antisemitismus, und damit nicht mit der Verantwortung der Stadt gegenüber dem jüdischen Teil der Bevölkerung in Einklang zu bringen. Der Einwand blieb ohne Wirkung.