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Kreuz-Erlass:"Wir stöhnen erst mal"

Pressestelle der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF):

Nach unserem Kenntnisstand ist der Erlass keine rechtliche Verpflichtung, sondern eine Empfehlung. Aber das Thema steht natürlich auf unserer Agenda. Unsere Präsidentin Bettina Reitz ist derzeit noch im Urlaub, aber am 11. Juni haben wir dazu eine Sitzung, in der wir uns in einem ersten Schritt mit dieser Frage befassen werden und in der alle Hochschulbeteiligten gehört werden, auch die Studentenvertretung.

Andrea Lorentzen, Sprecherin der Archäologischen Staatssammlung, München:

Wir stöhnen erst mal. Zum 1. Juni ist es wohl Vorschrift - oder: Was heißt Vorschrift? Wir wissen noch nicht genau, wie wir das handhaben. Wenn wir es aufhängen, dann in den Eingangsbereich. Aber unser Haus wird ja gerade saniert, wir sind für das Publikum geschlossen, die Verwaltung ist für drei Jahre in einem Ausweichquartier untergebracht. Wir könnten natürlich aus unserem Depot prähistorische oder historische Kreuze aufhängen, aber wie gesagt, wir haben noch nicht darüber gesprochen, ob und was wir aufhängen. Natürlich widerspricht das Kreuz dem, wofür wir stehen. Aber das beantworten ja sicher alle ähnlich.

Peter Fleischmann, Direktor des Staatsarchivs, Nürnberg:

Wir hängen natürlich ein Kreuz auf. Ich habe damit keine Probleme, immerhin haben wir hier Urkunden aus dem 9. und 10. Jahrhundert, diese Zeit ist ohne christliches Vorzeichen nicht zu verstehen. Der Lebenslauf des Menschen bis ins 19. Jahrhundert war christlich geprägt, das Kreuz ist bei uns auch als historisches Zitat zu verstehen. Wir werden es auf dem Flur aufhängen, in Richtung Osten ausgerichtet. Wir nehmen es aus dem Fundus: Ein Mitarbeiter hat freundlicherweise ein schönes altes Kreuz zur Verfügung gestellt.

Angelika Nollert, Direktorin der Neuen Sammlung, München:

Ich persönlich halte nichts davon, religiöse Symbole zu verordnen. Darüber hinaus sehe ich zurzeit keinen Handlungsbedarf.

Claudia Blank, Leiterin des Deutschen Theatermuseums, München:

Wir warten erst mal ab, wie die genauen Ausführungsbestimmungen sind. Wir sind eine "nachgeordnete Dienststelle", insofern ist es fraglich, ob das Theatermuseum in dem Sinne überhaupt ein "Dienstgebäude" ist. Ich sehe das noch nicht geklärt. Wenn wir tatsächlich dazu verpflichtet sind, ein Kreuz aufzuhängen, dann werden wir das irgendwo im Foyer tun. Aber das wird dann bestimmt kein dreidimensionales Kreuz sein. Das kann ja auch ein Plakat aus einem theatralen Zusammenhang sein, eine großformatige Fotografie, die mehrfach interpretierbar ist. Theater ist für alle Fragen des Denkens und der Moral offen, und so muss auch unser Haus sein.

Karl Borromäus Murr, Direktor des Staatlichen Textil- und Industriemuseums, Augsburg:

Wir warten auf genaue Angaben des Ministeriums. Was bedeutet etwa "Eingangsbereich"? Über die Art des Kreuzes haben wir uns noch keine Gedanken gemacht, aber wir werden sicher keinen barocken, blutüberströmten Christus aufhängen. Als Philosoph und Jesuitenschüler sage ich mal: Es gibt auch Kreuze, die zum Nachdenken anregen. Wir sind kein herkömmliches Museum mit Exponaten in Vitrinen. Augsburg ist die Stadt mit dem dritthöchsten Migrantenanteil in Deutschland. Wie öffnen wir unser Haus diesen Menschen unterschiedlichster Religion und Herkunft? Das ist die Herausforderung.

Thomas Höllmann, Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München:

Schön, von Ihnen zu hören. Da die Bayerische Akademie der Wissenschaften laut Satzung eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist, treffen Ihre Fragen auf uns aber nicht zu.

Bayerische Akademie der Bildenden Künste, München:

Wir gehen im Moment davon aus, dass wir nicht betroffen sind. Vom Ministerium haben wir bisher noch keine klare, schriftliche Aussage, aber derzeit gehen die Signale in diese Richtung. Offenbar gibt es im Ministerium noch Klärungsbedarf. Wir werden kein Kreuz aufhängen, wenn wir es nicht müssen.

Pressestelle der Ludwig-Maximilians-Universität, München:

Obwohl wir bislang keine Ausführungsbestimmungen erhalten haben, gehen wir trotz der unklaren Lage derzeit weiterhin davon aus, dass es zur Kreuz-Verordnung eine Information aus dem Ministerium geben wird. Wann die Ausführungsbestimmungen eintreffen, können wir Ihnen leider nicht sagen. Diese warten wir ab. Wir haben bisher noch keine Vorkehrungen zum Aufhängen eines Kreuzes getroffen.

Pressestelle des Filmfestes München:

Wir sind eine GmbH und der Freistaat Bayern lediglich unser Gesellschafter. In diesem Sinne sind wir keine Behörde. Deshalb haben wir uns mit dieser Frage gar nicht auseinandergesetzt.

Zusammengestellt von: Christine Dössel, Jörg Häntzschel, Catrin Lorch, Olaf Przybilla, Johan Schloemann, David Steinitz

© SZ vom 30.05.2018/doer
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