Kleinkunst Schwabinger Kulturkneipe eröffnet neu

"Wir wollen Qualität und Niveau erhöhen", sagt Mario Lehlbach. Mit Birgit Widhopf möchte er fortführen, was Wolfgang Ettlich aufgebaut hat.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Der Gründer von "Heppel & Ettlich" übergibt die Leitung der Kulturkneipe an zwei Mitarbeiter.
  • Diese wollen sich verstärkt auf Live-Musik und experimentelle Bühnenkunst konzentrieren.
  • Der Name der Kneipe soll allerdings erhalten bleiben.
Von Ricarda Hillermann

Die Kleinkunstbühne, der Zuschauerraum und die Bartheke des "Heppel & Ettlich" verleihen der Theaterkneipe am Wedekindplatz in Schwabing eine heimelige, gar intime Atmosphäre. Und das soll auch in Zukunft so bleiben, obwohl der Gründer Wolfgang Ettlich die Leitung inzwischen an seine erfahrenen Mitarbeiter übergeben hat: an den 30-jährigen Mario Lehlbach und die 44-jährige Birgit Widhopf. Selbst hat sich der ursprünglich aus Neukölln stammende Ettlich bereits ein weiteres Projekt an Land gezogen: von nun an steht er abends am Tresen seiner neuen Kneipe "Neukölln" (Clemensstraße 82, Eröffnung war an diesem Samstag).

Seit gut drei Jahren arbeiten Lehlbach, der zum Studium der europäischen Ethnologie aus Niederbayern nach München gezogen war, und Widhopf in dem Betrieb, dessen Vorgeschichte bis in die späten Sechzigerjahre zurückreicht. 2015 war Lehlbach als Praktikant im "Heppel & Ettlich" eingestiegen, fest angestellt ist er seit Ende seines Studiums. Birgit Widhopf betreute Ettlichs Filmproduktionen mit, bis sie den Quereinstieg ins Theater machen konnte. Eigentlich ist sie Ernährungswissenschaftlerin, war zeitweise als Unternehmensberaterin tätig und hat als Mutter von drei Kindern bereits einige Erziehungsjahre hinter sich. Ein geeignetes und eingespieltes Duo also, das mit dem Netzwerk vertraut ist, das den vielseitigen Kulturbetrieb umspannt. Gemeinsam organisieren und planen sie das Programm, betreuen Künstler, verantworten die Pressearbeit, stehen hinter dem Mischpult oder dem Tresen und regeln den Kartenverkauf.

Schwabinger Amsterdam

Der Film "Arthur & Claire" spielt in der niederländischen Hauptstadt, wurde aber großteils in München gedreht. Die Tragikomödie mit Josef Hader ist Illusionstheater im besten Sinne Von Bernhard Blöchl mehr ...

"Als Herr Ettlich so langsam übers Aufhören nachdachte", setzt Lehlbach an, "haben wir angefangen, Pläne zu spinnen. Wenn man länger zusammenarbeitet, merkt man, manche Dinge findet man gut, manche Dinge würde man anders machen", führt seine Kollegin den Gedanken aus. Die formale und rechtliche Übernahme des "Heppel & Ettlich" vollzogen, können die neuen Inhaber ihre Gedankenspielereien fortan in die Tat umsetzen. Mehr als einen Monat dauerten die Renovierungs- und Sanierungsarbeiten im Obergeschoss an der Feilitzschstraße 12. Die Neuerungen in Technik und Innenausstattung schafften sodann auch die strukturellen Voraussetzungen für die Neueröffnung. Tonangebend ist natürlich die Veranstaltungsagenda - die allerdings kommt zum Spielplanauftakt inhaltlich in leicht verändertem Format daher, wie ein Blick auf die bereits angekündigten Programmpunkte zeigt.

Mit dem bis dato bestehenden Kulturbetrieb wird aber nicht gebrochen, vielmehr haben sie vor, den vorhandenen Rahmen auszubauen und zu erweitern, erklärt Lehlbach: "Wir wollen Qualität und Niveau erhöhen." Indem sie eine Akzentverschiebung weg vom Kabarett, hin zu einem ausgebauten Theaterblock, Live-Musik mit der Ausrichtung auf Singer/Songwriter und Indierock, DJs und Improvisationsauftritten vornehmen. Überdies wird der Filmemacher Wolfgang Ettlich regelmäßig seine Dokumentarfilme zeigen - der umfangreiche Kulturmix garantiert, dass das "Heppel & Ettlich" weiterhin als Treff- und Überschneidungspunkt zwischen dem jüngeren und älteren Publikum bestehen bleibt.

Trotz der Veränderungen einigten sich Lehlbach, Widhopf und Ettlich auf Kontinuität: Der Kneipenname "Heppel & Ettlich" soll bestehen bleiben. "Diesen Anknüpfungspunkt beizubehalten, ist ohnehin gut, weil der Laden einen Namen in der Stadt hat", sagt Lehlbach. "Andererseits müssen wir schauen, dass wir ein neues Stammpublikum aufbauen", fügt Widhopf hinzu. Deswegen geht es zunächst darum, den Namen und das, wofür er steht, mit einem frischen Bild in Verknüpfung zu bringen.

Daher wollen die beiden den Programmschwerpunkt besonders auf die Live-Musik legen. "Um der Münchner Musikszene Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen", erläutert Widhopf. Dass im Laufe des Jahres 2017 sowohl das "Alfonso's" in Schwabing als auch das "Schwabinger Podium" ihre Türen schließen mussten, kommt ihnen entgegen. Denn auch diese beiden Bühnen waren im Viertel für Live-Darbietungen bekannt. Ohne Ausgehalternativen im näheren Umkreis, versucht das "Heppel & Ettlich", sich in der Nische, im Improvisationstheater und Musikmetier, zu etablieren. Einigkeit herrscht auch darüber, eine Plattform für Bühnenkunst experimentellen Charakters zu bieten. "Es ist unser starker Wunsch, dass diese Lust am Probieren, Machen, Schauen, was das Heppel & Ettlich bisher ausgemacht hat, trotz allem erhalten bleibt", bekräftigt Widhopf.

Bei der Eröffnungsfeier an diesem Samstag traten von 15 Uhr an famose Bands und Künstler auf, etwa die Hochzeitskapelle, Angela Aux, Joasihno Mobile Disco, Maxi Pongratz und das Lunsentrio. Abends legten die DJs Twoisaparty auf.

Eine Frage der Begeisterung

Seit drei Jahren bereichert das Hofspielhaus die Theaterszene. Die Pläne für die kommende Spielzeit sind ambitioniert: Allein bis Weihnachten will man sechs Eigenproduktionen stemmen Von Oliver Hochkeppel mehr...