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Programmvorschau:Eine Frage der Begeisterung

Christiane Brammer Hofspielhaus

Die Torte eines Hofspielhaus-Fans schnitt die Chefin Christiane Brammer bei der Programmpräsentation an.

(Foto: Ralf Dombrowski/Hofspielhaus)

Seit drei Jahren bereichert das Hofspielhaus die Theaterszene. Die Pläne für die kommende Spielzeit sind ambitioniert: Allein bis Weihnachten will man sechs Eigenproduktionen stemmen

Mut und Leidenschaft braucht man in jedem Fall, wenn man im kultursatten München unsubventioniert ein Theater mit gerade mal 60 Plätzchen betreiben will. Erlebt man Christiane Brammer bei der Programmvorstellung der neuen Saison, dann fällt einem aber fast noch mehr ihre Begeisterung auf, und die Fähigkeit, diese auf andere zu übertragen. Anders hätte ihr Hofspielhaus in der Falkenturmstraße wohl keine drei Jahre überlebt. Nicht weniger als 24 Eigenproduktionen hat sie in dieser Zeit mithilfe eines ihr in der Begeisterung verbundenen Künstlerstamms gestemmt, zu dem auch Moses Wolff als Co-Programmierer, die Kabarettisten André Hartmann, Veronika von Quast und Juliane Braun, klassische und Jazzmusiker wie Norbert Groh oder Carolyn Breuer, Schauspieler wie Ferdinand Schmidt-Modrow oder Inge Rassaerts (Brammers Mutter) und Theatermacher wie Dominik Wilgenbus oder Stefan Kastner gehören.

Getragen von Vermietungen für Feiern, Firmenevents und Seminare soll hier nach wie vor "alles möglich" (Brammer) sein, was auf die Bühne passt. Zurückgesteckt wird nicht, sogar einen von einer Künstlerjury zuerkannten "Preis für Leidenschaft" an sozial engagierte Personen oder Institutionen wird es demnächst geben. Und alleine bis Weihnachten laufen sechs Eigenproduktionen und sechs andere Deutschlandpremieren an. Los geht das ab 4. November mit dem neuen Programm "Wi Kiip in Tatsch" der Kabarettistin Gabi Lodermeier, die hier hinter die Kulissen der Münchner Privat-Theater-Szene blickt. Nach dem Hit "Rikscha Sightseeing" (60 mal ausverkauft!) gibt es auch etwas Neues von André Hartmann: Bei "Monaco & Fränz" (ab 7. November) schlüpft er in die Erben-Rolle des ewigen Stenz, natürlich mitsamt seinen herausragenden Qualitäten als Stimmenimitator und Tastenwirbler.

Mit dem neuen Kinderstück geht wieder ein großer Wunsch von Brammer in Erfüllung. Nach dem Kampf um die Rechte inszeniert Dominik Wilgenbus James Krüss' "Sängerkrieg der Heidehasen" mit Burkhard Kosche und Georg Roters (Premiere 24. November). Natürlich läuft aber auch die Erfolgsproduktion des "Kleinen Prinzen" weiter, von der Brammer sagen kann: "Bis Februar braucht Ihr gar nicht zu kommen, bis dahin ist alles ausverkauft." Etwas ganz Besonderes verspricht "Zu Tisch bei König Ludwig II." zu werden. Sebastian Brummer und Moses Wolff haben - in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsbibliothek - für dieses musikalische Lustspiel im teilweise völlig vergessenen Repertoire des königlichen Hoftheaters recherchiert und das zu einem heiteren Abend verdichtet, bei dem der König persönlich erwartet wird (Premiere 5. Dezember).

Und dies sind nur die selbstgestrickten Höhepunkte - neben Kabarett-Premieren von Jan-Christof Scheibe oder Jess Jochimsen, Buchvorstellungen und szenischen Lesungen (von Hitchcock bis Egon Friedell), Talks ("Das Ratsch-Kartell"), Klassik-, Blues-, Jazz- oder Kreisler-Abenden bis zum bayerischen Mundart-Slam "Wer ko der ko". Und schon im Oktober schlüpft Travestie-Star Chris Kolonko eigens fürs Hofspielhaus wieder in die Rolle der Marlene. Mutig ist das alles. Und voller Begeisterung.