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Kinostarts der Woche:Helge, gut versteckt

In "Mülheim - Texas" scheitert der Versuch, der Person Helge Schneider näher zu kommen. In "Härte" über einen Ex-Zuhälter und Schuldeneintreiber ist die Liebe kälter als der Tod. Für welche Filme sich der Kinobesuch lohnt - und für welche nicht.

Von den SZ-Kinokritikern

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Avengers: Age of Ultron

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Quelle: AP

Lauter gute Nachrichten im zweiten Teil der Comic-Orgie: der große grüne Hulk ist verliebt, und zwar in Scarlett Johansson. Der Pfeil-und-Bogen-Held Hawkeye hat sich ein Landhaus zugelegt. Und zwischen zwei Rettungsmissionen gönnen die Avengers sich ein richtiges Besäufnis - sogar Donnergott Thor braucht mal einen Drink. Dass Joss Whedon die kontemplativen Momente des Superheldenalltags für diverse Riesenschlachten unterbricht, ist fast schon störend.

Die ausführliche SZ-Filmrezension lesen Sie hier.

David Steinitz

2 / 13

Big Eyes

Big Eyes

Quelle: Leah Gallo; StudioCanal

Was ist denn nun wichtiger, derjenige, der die Kunst schafft, oder derjenige, der sie unter die Leute bringt, fragt Tim Burton. Walter und Margaret Keane sind ein Prachtpaar der amerikanischen Fünfziger, in Liebe und Kunst vereint. Margaret malt, Walter gibt die Bilder als die seinen aus. Christoph Waltz ist der naiv-fiese Walter, Amy Adams ist Margaret, blondgeschneckelt, aber sie weiß um alle Abgründe der Seele.

Die ausführliche SZ-Filmrezension lesen Sie hier.

Fritz Göttler

3 / 13

A Girl Walks Home Alone At Night

A Girl Walks Home Alone At Night

Quelle: ; Pretty Pictures

Als "ersten iranischen Vampirfilm" verkauft die Regisseurin Ana Lily Amirpour ihr Regiedebüt, und damit ist ihr eine gewisse Aufmerksamkeit sicher. Eine schmale Gestalt im schwarzen Schleier huscht durch die Nacht, große devote Augen lugen darunter hervor - bis Sheila Vand ihre Vampirzähne zeigt. Eine schöne Umkehrung islamischer Geschlechterrollen, in Schwarzweiß und auf Persisch gedreht - aber eben doch in Kalifornien, wo die Regisseurin auch aufgewachsen ist. Die Schattenwelt in ihrem Film ist dagegen völlig ortlos.

Die SZ-Videorezension "Zoom - Die Kinopremiere" sehen Sie hier.

Tobias Kniebe

4 / 13

Ex Machina

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Quelle: AP

Ein Frankenstein-Experiment fürs Silicon Valley-Zeitalter: In seinem Regiedebüt entfesselt der Drehbuchautor Alex Garland einen verführerischen und gnadenlosen Erotikthriller über das Flirtverhalten von Maschinen. Und stellt fest, dass Männer - repräsentiert durch Oscar Isaac und Domhnall Gleeson - sich auch von künstlichen Mädchen vollkommen unbeholfen in die schlimmste Amour fou locken lassen.

Die ausführliche SZ-Filmrezension lesen Sie hier.

David Steinitz

5 / 13

Hubert von Goisern - Brenna tuat's schon lang

Hubert von Goisern

Quelle: Movienet

Marcus H. Rosenmüllers Hommage an den österreichischen "Alpenrocker mit dem Akkordeon" blättert das Album seiner 25-jährigen Karriere mit buntem Archivmaterial auf. Hübscher Beginn: von der Blaskapelle zur Jodel-Punk-Rebellion. Vom großen Erfolg und den Weltreisen aber wird oberflächlich erzählt, aus Imagepflege-Perspektive. So gerinnt das Gemälde einer musikalisch-missionarischen Selbstfindung zum PR-Poster.

Rainer Gansera

6 / 13

Härte

Härte

Quelle: MissingFILMS

Ein Leben wie von Fassbinder erfunden. Liebe ist kälter als der Tod. Andy Marquard, Karatemeister, Ex-Zuhälter und Schuldeneintreiber, erzählt sein Leben: vom sadistischen Vater, der Mutti, die jahrelang Sex mit ihm hatte. Rosa von Praunheim lässt die Szenen dazu in schwarz-weißen Studiokulissen nachspielen. Ein Film wie ein Fausthieb, mit einem scharfen Blick für die Mechanismen der Abhängikeit.

Die ausführliche SZ-Filmrezension lesen Sie hier. .

Martina Knoben

7 / 13

Judgment - Grenze der Hoffnung

Judgment - Grenze der Hoffnung

Quelle: Krasimir Andonov

Ökonomische Krise, Vergangenheitsbewältigung, Vater-Sohn-Konflikt. Wie in einem bemühten Besinnungsaufsatz zum traurigen Stand der Dinge in Bulgarien stapelt Regisseur Stephan Komandarev die Probleme, hakt sie ab, und lässt auch noch den brisanten Kern der Geschichte - wie ein zynischer Menschenhändler (Miki Manojlović) syrische Flüchtlinge in die EU einschleust - in erzählerischer Langeweile versickern.

Rainer Gansera

8 / 13

Mülheim Texas - Helge Schneider hier und dort

Mülheim Texas

Quelle: Petra Lisson

Wie nah kommt man dem Menschen Helge Schneider? Gar nicht mal so nah, wie Andrea Roggons Dokumentarfilm zeigt. Der Regisseurin beim Annäherungsversuch zuzusehen, ist dennoch eine so vergnügliche wie aufschlussreiche Angelegenheit, weil der Film Schneiders Widerspenstigkeit mehr Platz gibt als sich selbst. Weil er der gut versteckten Persönlichkeit hinter "Fitze Fitze Fatze"-Klamauk und Jazz-Improvisationen sein Geheimnis lässt.

Annett Scheffel

9 / 13

Neuland

Neuland

Quelle: Rise and Shine Cinema

Der FC Basel ist ein kleiner Club, gegen den FC Chelsea hat er keine Chance. 2013 gewannen die Schweizer trotzdem gegen die Engländer. So macht Herr Zingg seinen Schülern Mut, das scheinbar Unmögliche zu wagen: den Neustart in der Fremde. Über zwei Jahre begleitete Anna Thommen eine Baseler Integrationsklasse in ihrem Alltag: sie erzählt vom Bangen um die Aufenthaltserlaubnis, vom Suchen einer Lehrstelle, von Hindernissen und Hoffnungsschimmern. Eine ruhige, eindringliche Dokumentation über das Ankommen.

Luise Checcin

10 / 13

Shana - The Wolf's Music

Shana - The Wolf's Music

Quelle: OneFilmverleih

Ein kleines Indianerdorf in Kanada kämpft mit Vorurteilen: Alkoholprobleme, Arbeitslosigkeit - und vor allem Zukunftslosigkeit. Allerdings muss die widerspenstige Geigerin Shana auch noch mit dem frühen Tod ihrer Mutter klarkommen. In diesem esoterischen Drama blickt der Italo-Schweizer Filmemacher Nino Jacusso tief in eine isolierte Welt hinein, die ihre Kraft und Hoffnung aus der Natur schöpft.

Julia Weigl

11 / 13

Striche ziehen

Striche Ziehen

Quelle: realistfilm

"Ich kann das handlen", sagt Jürgen, es ist sein Mantra. Er glaubte, bei der Stasi mitmachen zu können, aber keinem zu schaden, vor allem nicht den Freunden aus der Punktruppe in Weimar in den Achtzigern. Jürgen schadet, auch dem eigenen Bruder. Die Jungs wechseln alle in den Westen, dort ziehen sie in einer Punk-Aktion einen sechs Kilometer langen Strich auf der Mauer, am 3. November 1986. Gerd Kroske, der subtile Chronist der DDR-Mentalität und ihrer Spuren heute, hat die Punks von damals vor die Kamera geholt.

Fritz Göttler

12 / 13

That Lovely Girl

That Lovely Girl - 67th Cannes Film Festival

Quelle: dpa

Eine junge Frau (Maayan Turjeman) lebt in einer inzestuösen Beziehung mit ihrem Vater, der sie besteigt, schlägt, demütigt. Sie leidet an Essstörungen und ritzt sich. Ein antichauvinistisches Plädoyer, eine Parabel der israelischen Gesellschaft? Aber Keren Yedayas Tour de Force insistiert auf einem verrückt naiven Traum vom privaten Glück, was die Brutalität des Films (bewundernswerterweise) opak werden lässt.

Philipp Stadelmaier

13 / 13

Belluscone

Belluscone

Quelle: Daring House

Was hat ein sizilianischer Konzertveranstalter mit der Mafia zu tun? Und warum lieben die Italiener Berlusconi? Auf keine dieser Fragen gibt Franco Marescos ironische Dokumentation eine klare Antwort. Dafür bietet sie einen abenteuerlichen Ausflug in das skurille Milieu der Straßenfeste Palermos, bei dem man sich unaufhörlich fragt, was davon noch Realität und was schon Satire ist.

Luise Checcin

© SZ vom 23.04.2015/perl
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