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"The Avengers 2" im Kino:Heldenmüde

Eistee und Erdnüsse auf der Veranda. Auch Superhelden träumen vom trauten Heim, wie Regisseur Joss Whedon im Marvel-Blockbuster "The Avengers 2: Age of Ultron" erzählt. Wenn sie nicht gerade Städte zerlegen.

Von David Steinitz

Relaxen lautet das Motto im zweiten Teil der Comic-Orgie "The Avengers". Endlich mal runterkommen vom manisch-depressiven Dauerwahnsinn des Superhelden-Daseins, unter dem all die bunten Charaktere so heftig leiden: der zynische Iron Man, der tobsüchtige Hulk, der Halbgott Thor, selbst der politisch korrekte Captain America.

In den schönsten Momenten von "The Avengers 2: Age of Ultron" zeigt Regisseur Joss Whedon seine Jungs und Mädels deshalb als die größten Kleinbürgerspießer, die man sich vorstellen kann. Superheld Hawkeye gesteht seinen Kollegen in einer Pause zwischen zwei enervierenden Riesenschlachten, dass er eine Zweitexistenz als glücklicher Ehemann und Vater führt.

Die Familie ist in einem hübschen Landhaus untergebracht, weit weg vom Lärm der Großstadt und den Sorgen der Weltenretter. Deshalb sitzt die ganze Bande dann auch bei Hawkeye (Jeremy Renner) auf der Veranda und lässt sich von dessen hübscher Ehefrau lecker selbst gemachten Eistee aus dem riesigen Krug einschenken, die Eiswürfel klimpern. Und Iron Man bedankt sich für die Gastfreundschaft, indem er fröhlich im Vorgarten Holz hackt. Was für ein herrlich normales Leben!

The Avengers 2: Thor und Captain America

Heimelige Helden: Captain America (Chris Evans) und Donnergott Thor (Chris Hemsworth) entspannen im Landhaus.

(Foto: Marvel)

Szenen wie diese zeigen nicht nur die Müdigkeit der Superhelden, sondern auch der Hollywood-Ingenieure, die diese Helden in immer neue Abenteuer und immer gigantischere Schlachten schicken müssen. Das Problem, das die langjährigen James Bond-Autoren Neil Purvis und Robert Wade schon seit Ewigkeiten beklagen - dass sie nicht mehr wüssten, was sie künftig noch in die Luft sprengen sollen - erreicht spätestens mit der zweiten "Avengers"-Ausgabe auch das Marvel-Universum. Weshalb Joss Whedon, der nach diesem zweiten Teil die Regie der bereits fest eingeplanten nächsten beiden "Avengers"-Filme abgeben wird, das Inszenieren der kontemplativen Momente sichtlich mehr genießt als alles andere.

Entspannte Saufgelage und Monsterschlachten

Klar, Bösewicht Ultron wütet wie verrückt, Schlacht um Schlacht, bis zum bereits etwas ermüdenden Schlachtenhöhepunkt (nach über zwei Stunden). Da der Schurke sich zu Beginn des Films selbst geschaffen hat, aus einem Datennirvana heraus, taugt er aber ohnehin nicht richtig als Gegner. Weil ein anständiger Comic- oder Filmbösewicht im Idealfall ein materialisiertes Teufelsbündnis aus Über-Ich und Es des Superhelden ist - also eine richtige Nemesis.

Ein weiterer Grund, warum Whedon seine Avengers lieber Eistee trinken sehen will. Und der etwas verrückten Liebelei zwischen dem großen grünen Hulk (Mark Ruffalo) und der in Latex gekleideten Black Widow (Scarlett Johansson) so begeistert zuschaut. Außerdem gönnt er seinen Protagonisten ein entspanntes Saufgelage, damit sie bei Drinks und Erdnüssen mal in Ruhe eine emotionale Bestandsaufnahme machen können, während Thors Hammer und Captain Americas Schild in der Ecke stehen. Eistee und Bier, Zucker und Alkohol, die billigen Drogen des menschlichen Proletariats - sie wirken auch bei Superhelden Wunder.

Der Rest ist: Bäoiiiingzoiiiiindpängpängbrooooooom. Das ist so in etwa das tösende Dauergeräusch, das während der Monsterschlachten aus den Kinolautsprechern dröhnt - denn zumindest Hollywoods trickreiche Sounddesigner scheinen noch großen Spaß an der munteren Vertonung des Marvel-Fließbandbetriebs zu haben.

The Avengers 2: Age of Ultron, USA 2015 - Regie, Buch: Joss Whedon. Kamera: Ben Davis. Mit: Robert Downey Jr., Chris Evans, Mark Ruffalo, Scarlett Johansson, Elizabeth Olsen, Chris Hemsworth, Jeremy Renner. Disney, 141 Minuten.

© SZ.de/doer
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