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John Irving über Oscarreden:"Hollywood muss heute noch stärker Partei ergreifen"

Presentation of latest novel of John Irving

Der Großschriftsteller John Irving hat selbst schon einmal einen Oscar gewonnen: für sein Drehbuch zu "Gottes Werk und Teufels Beitrag".

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Schriftsteller und Oscar-Gewinner John Irving sieht die Gemeinschaft der Künstler bei den diesjährigen Academy Awards in einer besonderen Verantwortung.

Wie politisch wird meine Dankesrede, und welche Botschaft des Widerstands will ich einem weltweiten Millionenpublikum übermitteln? Für alle Künstler, die in diesem Jahr bei den Oscars nominiert sind, eine entscheidende Frage - und für manchen Filmstar vor der Preisverleihung am Sonntag vielleicht noch ein ungelöstes Problem.

Hilfestellung bietet jetzt der amerikanische Großschriftsteller John Irving, der selbst schon einmal einen Oscar gewonnen hat - für sein Drehbuch zu "Gottes Werk und Teufels Beitrag". Er bekennt sich zur Notwendigkeit des politischen Engagements auf der Oscar-Bühne: "Hollywood muss heute noch stärker Partei ergreifen."

"Präsident Trumps Intoleranz ist eklatant", schreibt Irving, der mit "Garp und wie er die Welt sah" international bekannt wurde und auf fünf Hollywood-Verfilmungen seiner Romane zurückblicken kann. Seinen Text richtet der 74-Jährige an die "Gemeinschaft von Küstlern", die er bei den Oscars in diesem Jahr in einer besonderen Verantwortung sieht.

"Wir dürfen Intoleranz nicht tolerieren"

Er erinnert an die Kritik von Abtreibungsgegnern, die er nach der Verfilmung von "Gottes Werk und Teufels Beitrag" im Jahr 1999 auf sich zog, die Geschichte handelt von einem gütigen Abtreibungsarzt. In seiner Oscarrede hatte Irving allen gedankt, "die den Mut hatten, diesen Film überhaupt zu machen", sowie "allen bei Planned Parenthood und der National Abortion Rights Action League". Dies löste scharfe Proteste der Rechten aus.

"Ganz gleich, welche Regeln für Oscar-Dankesreden gelten, wir Kreativen haben eine Verantwortung: wir dürfen Intoleranz nicht tolerieren", schreibt Irving weiter. "Denken wir nur an die absolute Voreingenommenheit von Präsident Trump, an Vizepräsident Pence mit seinen dinosaurierhaften Ansichten zu Sexualität. Er glaubt an Konversionstherapien für Homosexuelle. Er hat als einer der ersten vorgeschlagen, Planned Parenthood die staatliche Förderung zu entziehen. Unter Trumps Regierung sind LGBT-Personen und das Recht auf Schwangerschaftsabbruch in Gefahr."

Betrachtet man die anderen Filmpreis-Galas, die schon stattgefunden haben, wird Hollywood Irvings Appell sicher nachkommen. Bei fast allen Preisverleihungen, von den Golden Globes über die Screen Actors Guild Awards bis zu den britischen BAFTAs, waren die Reden in diesem Jahr so politisch wie noch nie.

Lesen Sie den Gastbeitrag von John Irving mit SZ Plus:
John Irving "Trumps Intoleranz ist eklatant"

Gastbeitrag von John Irving

"Trumps Intoleranz ist eklatant"

Der Schriftsteller John Irving erklärt, warum er Künstler gerade jetzt in einer besonderen Verantwortung sieht, politische Statements zu machen.   Von John Irving