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Im Kino: Biutiful:Epos des Weltelends

Nur ist Uxbals Sterben erst der Anfang der Misere, es gesellen sich ja im Verlauf der Geschichte noch das Elend der Illegalen, zwei schwule chinesische Ausbeuter und die Erinnerung an Uxbals auf der Flucht vor Franco verstorbenen Vater dazu. Iñárritu überfrachtet seine Filme mit Elend, bis alles, was daran schön sein könnte - seine Schauspielführung beispielsweise, ein Gefühl für Szenen, die mit weniger Takt in den Kitsch kippen würden - unter Unrat begraben ist. Babel konnte eben nicht nur ein Film sein über Touristen und Terroristen, über eine zerbrechende Ehe im arabischen Niemandsland.

Die Story über die Konfrontation eines amerikanischen Paares mit dem Drama einer arabischen Familie, deren kleiner Sohn mit einem Gewehr auf eine ihm unbekannte amerikanische Frau geschossen hat, das ist ja schon ziemlich viel. Aber Iñárritu musste auch noch die Ausbeutung mexikanischer Einwanderer in den USA dazu kleistern und reiche Japaner und ihre durchdrehenden Kinder - als arbeite er am großen Epos vom Weltelend. Und das ist, seiner Talente zum Trotz, dann doch regelmäßig zu viel für ihn.

Vielleicht wird in Biutiful besonders gut sichtbar, wie maßlos er übertreibt, weil er die Geschichte auch noch nach Europa verlegt hat - diese kalte Welt ohne Sonne, das entsetzliche Elendsviertel, in dem die Armut und der Dreck an allen Hauswänden zu kleben scheinen und alle Gesichter verzerren, befindet sich in Barcelona. Sind in Barcelona alle Menschen grau? Am Anfang streitet Bardem mit einer Krankenschwester über die genaue Herkunft einer Spritze, als hätte die Zivilisation spanische Krankenhäuser noch nicht erreicht, und damit ist der Ton gesetzt.

Uxbal lebt sein Leben zuende, als gäbe es in Barcelona keine Haftverschonung und kein Jugendamt und nur die Kriminalität sichert ihm die heruntergekommene Wohnung und die kargen Mahlzeiten, die er seinen Kindern serviert. Man will es dann irgendwann nicht mehr sehen - denn eigentlich führt das, was Iñárritu hier zusammendichtet, nirgendwohin, es klingt eher irgendwann aus.

So ist Biutiful nicht nur irgendwann des Schlechten zuviel - die Story verheddert sich in viel zu vielen Unglaubwürdigkeiten, die auch einer wie Javier Bardem nicht überspielen kann. Eigentlich ist Uxbal zu beneiden - es sind ihm am Ende des Films so viele Gruselgestalten und so viele unlösbare Probleme begegnet, dass der Tod eine echte Erlösung sein muss. Aber das ist wahrscheinlich nicht die Geschichte, die Iñárritu erzählen wollte.

BIUTIFUL, Mexiko/Spanien 2010 - Regie: Alejandro González Iñárritu. Drehbuch: Iñárritu, Armando Bo und Nicolás Giacobone. Kamera: Rodrigo Prieto. Schnitt: Stephen Mirrione. Musik: Gustavo Santaolalla. Mit: Javier Bardem, Maricel Álvarez, Eduard Fernández, Diaryatou Daff. Prokino, 148 Minuten

© SZ vom 10.03.2011/kar
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