Humboldt-Forum Fluch der Haustechnik

Man fühlt sich beim Humboldt-Forum an Alfred Döblins Satz erinnert: "Hier war von Anfang an alles verdorben."

(Foto: dpa)
  • Das Berliner Humboldt-Forum wird nicht wie geplant 2019 eröffnet.
  • Aufgrund technischer Mängel kann das Gebäude nicht rechtzeitig fertiggestellt werden, stattdessen sollen die Ausstellungen im kommenden Jahr etappenweise eröffnen.
  • Am 26. Juni soll dem Stiftungsrat ein "neues Gesamtterminkonzept" vorgelegt werden.
Von Jens Bisky, Berlin

Das Berliner Neubauschloss wird nicht wie geplant Ende dieses Jahres eröffnet. Die Anlagen der Haustechnik sind noch nicht so weit. Wie die Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Petra Wesseler, am Mittwoch auf einem Baustellenrundgang mitteilte, müssen einige Anlagen "nach der fachtechnischen Prüfung nochmals angepasst werden". Die zentrale Kälteanlage könne voraussichtlich erst Ende Juli 2019 zugeschaltet werden.

Die Probleme sind den Verantwortlichen seit einiger Zeit bekannt. Vor einer Woche wurde öffentlich, dass die geplante Ausstellung zur Eröffnung des Humboldt-Forums im Schloss nicht gezeigt werden kann (SZ vom 5. Juni). Eine Eröffnung des leeren Schlosses im November 2019 schien jedoch nicht ganz ausgeschlossen, es lief ein "Stresstest". Nach diesem Test, also nach einer Prüfung aller technischen Abläufe, gelangte das BBR nun aber zu der Einsicht, dass es "nicht realistisch" sei, "das Gebäude wie geplant bis Ende 2019 nutzungsfertig herzustellen".

Die Verzögerung hat auch Folgen für den Umzug der Museen von Dahlem nach Mitte

Der Grundstein für den Neubau an der Stelle, an der bis zur Sprengung im Jahr 1950 das Hohenzollernschloss und von 1976 bis 2006 der Palast der Republik standen, war im Juni 2013 gelegt worden. Zwei Jahre später konnte Richtfest gefeiert werden, Rohbau und Dachstuhl waren vollendet. Die Bauarbeiten schienen planmäßig voranzugehen, während über die Inhalte und die Gestaltung des Humboldt-Forums große Unklarheit bestand und heftig gestritten wurde. Es vereint außereuropäische Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, eine Berlin-Ausstellung und ein von der Humboldt-Universität betreutes Humboldt-Labor. Die rekonstruierten Fassaden sind weitgehend fertig, die unnütze Kuppel wartet auf ihre historisierende Verkleidung und das krönende Kreuz. Insgesamt sind etwa 600 Millionen Euro für den Bau veranschlagt. Ihn leitet das BBR im Auftrag der Stiftung Humboldt-Forum.

Das Bundesamt will nun ein "neues Gesamtterminkonzept" erarbeiten. Es soll am 26. Juni dem Stiftungsrat vorgelegt werden. Dann wird man wissen, ob das Humboldt-Forum im kommenden Jahr etappenweise eröffnet werden kann. Vorsitzende des Stiftungsrates ist die Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Im Gespräch mit der SZ sagte sie, dass auf dem ambitionierten Vorhaben wegen seiner Bedeutung politischer Druck liege und auch aufrecht erhalten werde. Sie wolle das Haus keinesfalls leer eröffnen. Das Humboldt-Forum ist das Prestigeobjekt der Bundeskulturpolitik. Anders als im Fall des Desaster-Flughafens BER trägt das Land Berlin für diese Baumaßnahme keine Verantwortung, zuständig ist das Bundesministerium für Inneres, für Bau und Heimat. Glücklicherweise erzwingt nicht die Entrauchungsanlage die Terminverschiebung. Sie hat Folgen für den Umzug der Objekte des Museums für Asiatische Kunst und des Ethnologischen Museums von Dahlem nach Mitte. Die Berliner, die das ehrgeizige Vorhaben mit der typischen Mischung aus Neugier und Skepsis betrachten, erinnern sich an einen Satz des großen Alfred Döblin: "Hier war von Anfang an alles verdorben."

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