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"Hool" von Philipp Winkler:Sämtliche Figuren dreschen Phrasen

Die Art, wie Winkler diese Begegnungen schildert, macht es leicht, Heiko zu verstehen - zu leicht. Weil sämtliche Figuren des Romans nur Phrasen dreschen, erscheint die Unfähigkeit, "zu sagen, was in einem vorgeht, und dieser ganze emotionale Mist" wie Trotz gegen eine hysterische, oberflächliche, ja weibische Welt. "Hool" zeigt keine Alternativen zu dieser Perspektive und auch keine emotionale Fallhöhe, der Roman interessiert sich insbesondere für seine weiblichen Figuren nicht. Stattdessen streift er sich erzählerisch die Lederjacke eines Streetworkers über und begleitet seinen Protagonisten in die stinkenden Fußballkneipen.

Manuelas Mann Andreas beispielsweise ist für Heiko eine verlogene, kleine Heulsuse, die Karohemden mag und Gelfrisuren, aber weder Fußball noch Saufen. Und wieder schreitet der Roman Schulter an Schulter mit seiner Hauptfigur voran, indem er in einer Szene erzählt, wie Andreas, als es brenzlig wird, Manuela allein lässt. Derweil wacht Heiko tagelang am Krankenbett über die zerschundenen Körper seiner Freunde. Allzu gerne würde er Andreas die Kampfhunde seines Vermieters zeigen, um "diesem geleckten Affen eine Prise des echten Lebens vorzuführen. Nicht diese behütete Gutbetuchtes-Elternhaus-Scheiße, die er für das echte Leben hält."

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In der vermeintlichen Authentizität jener Welt aus vollgekotzten Fußballtrikots und Knochenbrüchen konvergiert die Haltung Heikos, der immer noch die Nacht seiner Kindheit zu durchwandern scheint, mit der aufblitzende Romantisierung sozialer Realitäten im Roman. Man hat den Eindruck, hier werde gegen die oft beklagte Ichbezogenheit junger Autorinnen angeschrieben, die ihre Berlin-Mitte-Problemchen zwischen Buchdeckel packen.

"Mir schnürt sich das Kackloch zu"

In "Hool" begegnet uns dagegen ein Fleischberg von einem Mann, der Dinge sagt wie: "Leute, mir is' hier echt zu viel Polente und Presse. Davon krieg ich Beklemmungen in der Kimme, und mir schnürt sich das Kackloch zu." Der Prenzlauer Berg könnte nicht weiter weg sein.

Winkler, Jahrgang 1986 und Absolvent der Autorenschmiede von Hildesheim, wurde in der Nähe von Hannover geboren und ist begeisterter Fußballfan. Er kenne über ein paar Ecken Leute aus der Szene, erzählt Winkler auf Nachfrage. Ein Mitglied war er zwar nie, sagt er, aber man darf spekulieren, ob ihm die Hooligan-Szene vielleicht wie eine überzeichnete Version seiner eigenen Faszination vorgekommen ist.

Philipp Winkler: Hool

Philipp Winkler: Hool. Roman. Aufbau Verlag, Berlin 2016. 310 Seiten, 19,95 Euro. E-Book 14,99 Euro.

Denn genau so liest sich "Hool": Als hätte man einem wahren und durchaus packend erzählten Kern nachträglich die Konturen mit Lidstrichen aus Blut und Schmutz scharf nachgezogen, um die Streetcredibility noch ein bisschen zu erhöhen. Deshalb reicht es hier auch nicht, dass Heiko einen Kater vom Saufen hat. Nein, ein richtiger Mann hält sich auch noch einen leibhaftigen Tiger in einer Grube hinten im Hof, wo er zusammen mit einem halbverrückten Tierkampfveranstalter wohnt.

Heiko bezahlt für sein Rebellentum mit Verwilderung und Ausgrenzung. Und doch geht er seinen Weg erbittert immer weiter. Er ist der Hooligan, der mit gesenktem Haupt durch die dekonstruierten Männerhirne der Generation Y schleicht.

Im Juni schrieb Winkler, da lief die Fußball-Europameisterschaft, in der FAZ einen Gastbeitrag über die Hooligan-Szene. In dem Artikel heißt es: "Man ist so abgestumpft, dass man nur mal wieder irgendwas spüren will. Ist halt so'n Hobby, wie andere Leute ihren Schrebergarten pflegen. Keine Ahnung, warum. Einfach so."