Historienfilm "Dido Elizabeth Belle":Mit Verstand und Gefühl

Gugu Mbatha-Raw als Dido Elizabeth Belle

Gugu Mbatha-Raw als Dido Elizabeth Belle.

(Foto: dpa)

Die nigerianische Drehbuchautorin Misan Sagay erzählt, wie sie auf Dido Elizabeth Belle stieß, die Heldin des gleichnamigen Films: ein schwarzes Mädchen in der englischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts. Über ein Gemälde, ohne das es den Film nie gegeben hätte.

Von Alexander Menden, London

Die Aufpasserin in Kenwood House ist ziemlich mit den Nerven fertig: "Nein, nein, nein! Da können Sie sich nicht hinsetzen!", herrscht sie einen Kameramann an, der es sich gerade auf einem seidenbezogenen Rokoko-Sofa bequem machen will. Den ganzen Tag sind Fernseh-Crews und Journalisten im abgedunkelten Salon von Kenwood House ein und aus gegangen. Dass viele von ihnen nicht wissen, wie man sich in einem denkmalgeschützten Gebäude verhält, kann man ihnen aber vielleicht nachsehen. Die historische Umgebung eines georgianischen Herrenhauses bildet ja eher selten die Kulisse für Interviews.

Aber nicht der schöne Blick auf Hampstead Heath hat die Macher von "Dido Elizabeth Belle" dazu bewogen, die Presse in den noblen Norden Londons zu laden - das frisch renovierte Stately Home inmitten eines weitläufigen Parks war nämlich Drehort für Amma Assantes Historienfilm, um den es hier geht. Und dann hat den Anstoß zu dieser Geschichte auch noch ein Gemälde geben, das hier entstanden ist und auch lange in Kenwood House hing.

Ein Doppelporträt von Dido Elizabeth Belle und Lady Elizabeth Murray, es wurde lange dem deutschen Maler Johann Zoffany zugeschrieben. Auch wenn diese Herkunft heute angezweifelt wird, eindrucksvoll ist dieses Gemälde auf jeden Fall: zwei junge Damen in der Parklandschaft vor Kenwood; in der Ferne leuchtet die Kuppel von St. Paul's Cathedral. So weit, so konventionell. Was das Bild von zahllosen ähnlichen Porträts unterscheidet, ist die Tatsache, dass das Mädchen links im Bild dunkler Hautfarbe ist.

Eine versteckte Anspielung auf Hindu-Gott Krishna?

Die Darstellung von Schwarzen war in der Kunst des 18. Jahrhunderts zwar nichts Ungewöhnliches, normalerweise kam ihnen jedoch die Rolle des Bediensteten zu. Die beiden Frauen in dem Gemälde, das heute in Scone Palace im schottischen Perth hängt, scheinen gleichberechtigt nebeneinander zu stehen. Der ausgestreckte Arm der Weißen im rosafarbenen Kleid kann leicht als Zuneigungsbekundung interpretiert werden. Der an die Wange gelegte Finger ihrer Begleiterin ist schwerer zu entziffern. Die Geste sieht man auch auf zeitgenössischen Fotos von Schauspielerinnen. Ist es hier, wie eine Interpretation vorschlägt, eine versteckte Anspielung auf die Hindu-Gottheit Krishna? Oder weist sie vielleicht einfach lächelnd auf das hin, was doch niemand übersehen kann, ihre Hautfarbe?

Allzu viel ist nicht bekannt über die Dargestellte: Dido Elizabeth Belle war die illegitime Tochter von Sir John Lindsay, einem Kapitän der Royal Navy. Didos Mutter, Maria Belle, stammte aus Afrika und war wahrscheinlich eine freigelassene Sklavin. Sie hatte sich auf einem spanischen Schiff befunden, das Lindsay in der Karibik kaperte. Dido wurde 1761 geboren, bereits als Kind nach England geschickt, und wuchs in der Familie von Lindsays kinderlosem Onkel William Murray, dem ersten Earl of Mansfield, in Kenwood House auf. Ihre verwaiste Cousine und Porträtgefährtin Lady Elizabeth Murray wurde ebenfalls von den Mansfields aufgenommen.

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