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Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:Das Glück ist ein Kauz

Ein Party-Girl wird zur Super-App, ein Öko-Aktivist zum Terroristen und ein Psychiater zum Abenteurer: Für welche Filme sich der Kinobesuch lohnt - und für welche nicht.

Von den SZ-Kinokritikern

8 Bilder

Gugu Mbatha-Raw als Dido Elizabeth Belle

Quelle: dpa

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Ein Party-Girl wird zur Super-App, ein Öko-Aktivist zum Terroristen und ein Sprühflugzeug zum Feuerwehrflieger: Für welche Filme sich der Kinobesuch lohnt - und für welche nicht.

Dido Elizabeth Belle

Man ist gut gemachte Kostümfilme aus britischer Produktion gewohnt. Diesen hebt hervor, dass die Protagonistin schwarz ist - ebenso wie die Regisseurin Amma Assante und die Drehbuchautorin Misan Sagay. Aufgezogen vom Lordrichter Mansfield, etabliert sich die junge Dido nicht nur selbstbewusst in der adligen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts, sondern beeinflusst auch ein wegweisendes Urteil ihres Ziehvaters, das den Anfang vom Ende der britischen Sklaverei einläutet. Ein schön fotografiertes Drama, das zwar formell nichts Neues bietet, aber ein ebenso faszinierendes wie unbekanntes Stück britischer Geschichte wohltuend unreißerisch erzählt.

Alexander Menden

Im Bild: Gugu Mbatha-Raw als Dido Elizabeth Belle.

Simon Pegg als Hector in 'Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück'

Quelle: dpa

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Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück

Den Naiv-Tonfall von François Lelords Roman-Bestseller übersetzt Peter Chelsom in kauzige Glückskeksmentalität, mit der Hector (Simon Pegg), Psychiater in London, Sinnkrisen meistert. Seine Weltreise, auf der er süßen chinesischen Callgirls und fiesen afrikanischen Warlords begegnet, ist weniger Glückssuche als ein von Männerfantasien erträumter Abenteuerurlaub: Sex, Action und Gelegenheit für Selbstmitleid.

Rainer Gansera

Im Bild: Simon Pegg als Hector.

Barry Ward als Jimmy in "Jimmy's Hall'

Quelle: dpa

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Jimmys Hall

Roaring Thirties in Irland, inmitten seiner grünen Weiden, ausgelöst von Jimmy Gralton, der nach zehn Jahren zurückkam aus dem gelobten Land der USA. Er hat von dort amerikanischen free spirit mitgebracht und mit bodenständiger Sturheit kombiniert, in seiner Tanzhalle, die auch eine Debattier-, Engagier- und Lernhalle ist. Vom großen Ken Loach inszeniert, als sollte es ein Vermächtnis sein.

Fritz Göttler

Im Bild: Barry Ward als Jimmy Gralton.

Scarlett Johansson als Lucy

Quelle: dpa

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Lucy

Durch eine Art Intellektuellen-Chrystel-Meth wird das Party-Girl Lucy (Scarlett Johansson) zur Super-App, kann plötzlich Chinesisch, höhere Algebra - und Kampsport. Luc Besson inszeniert gewohnt stoisch seinen gehobenen Action-Trash, nur dass die prügelfreudige Hauptrolle diesmal eine Frau hat - und er sich auf der Suche nach dem Sinn des Lebens in sanfter Esoterik verheddert.

Neu im Kino: "Lucy" vorgestellt im Video.

David Steinitz

Im Bild: Scarlett Johansson (Mitte) als Lucy.

Anne Haug, Eva Bay, Matthias Weidenhöfer in "Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste"

Quelle: missingFilms

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Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste

In Isabell Šubas Film spielt Anne Haug die lesbische Regisseurin, die auf dem Festival von Cannes 2012 - wo der Film gedreht wurde - mit ihrem unfähigen Chauvi-Produzenten Geschlechter-Kabbeleien und berufliches Versagen dauerdemonstriert. In dieser Selbstdesavouierung bleibt vom Filmemachen nichts als ein leerer Hype. Letzter Satz: "Wir sollten mal wieder ins Kino gehen". Hätte Šuba nur danach ihren Film gedreht.

Philipp Stadelmaier

Im Bild: Anne Haug (Mitte) als Isabell Šuba, Eva Bay als Viola Vaughn, Matthias Weidenhöfer als David Wendlandt.

Jesse Eisenberg als Josh in "Night Moves"

Quelle: dpa

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Night Moves

Kelly Reichardt macht Filme wie Gedichte, und sie streift gerne Genres dabei, ohne sich wirklich auf die Spielregeln dafür einzulassen - ihr neuer Film ist fast ein Thriller. Jesse Eisenberg spielt einen Öko-Aktivistien in Oregon, der seinen ersten Terror-Akt begeht - und sich so langsam in einen Menschen verwandelt, der er gar nicht werden wollte. Als Erzählung ist das spartanisch, als psychologische Studie ist es grandios.

Neu im Kino: "Night Moves" vorgestellt im Video.

Susan Vahabzadeh

Im Bild: Jesse Eisenberg als Josh.

Planes 2

Quelle: The Walt Disney Company France

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Planes 2

Okay, man muss den Brocken schlucken, dass die Welt nicht mehr von Menschen, Affen oder Aliens bevölkert ist, sondern von Flugzeugen, Autos und Nutzfahrzeugen. Hat man das erst mal akzeptiert, dann entfaltet das "Planes"-Sequel mit liebevoll gezeichneten Figuren und einer pfiffigeren Story einigen Charme: Nachdem das Sprühflugzeug Dusty Crophopper im Original den Traum des Rennfliegens verwirklicht hat, muss er jetzt, unterstützt von seinen treuen Farmfreunden, wegen eines irreparablen Maschinenschadens zum Feuerwehrflieger umschulen.

Neu im Kino: "Planes 2" vorgestellt im Video.

Anke Sterneborg

Jannis Niewöhner als Gideon und Maria Ehrich als Gwen in "Saphirblau"

Quelle: dpa

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Saphirblau

Auch der zweite Teil der Verfilmung von Kerstin Giers Bestseller-Trilogie um die zeitreisende Gwendolyn (Maria Ehrich) schmiegt sich gekonnt an die Richtlinien der Twilight-Formel. Zuständig ist Felix Fuchssteiners Romantic Fantasy für so ziemlich alles: Übernatürliches, obskure Bruderschaften, Familiengeheimnisse, ein bisschen Popkultur, Action, die erste Liebe und die Rettung der Welt. Visuell von beachtlich internationalem Charme, erzählerisch leider allzu holprig.

Annett Scheffel

Im Bild: Jannis Niewöhner als Gideon und Maria Ehrich als Gwen.

© SZ.de/tgl/rus
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