"Happy End" von Joachim Lottmann:Zwei Dosen Red Bull, bitte

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Es ist zu heiß, um Joachim Lottmanns neuen Roman "Happy End" zu lesen. Außerdem erzählt er darin zu viel davon, wie er sich mit Sibylle Berg langweilt. Ist das Popliteratur? Unser Rezensent liest und grübelt.

Von Alex Rühle

Am Wochenende war ich zu Hause, es war heiß, sehr heiß, also wirklich so in Richtung puh, und eigentlich wollte ich das Buch von Joachim Lottmann weiterlesen, aber es war gerade etwas langweilig, weil er da seitenlang beschreibt, wie er mal mit Sibylle Berg beim Essen war und sie einander nichts zu sagen hatten. Also bin ich erst mal mit meiner lieben Frau an die Isar gegangen, und wir haben uns stromabwärts treiben lassen, das hat so dermaßen gut getan, das kühle, grüne Wasser und wie man geräuschlos an der prachtvollen Stadtkulisse vorbeitreidelt, München ist wirklich die Stadt meiner Wahl, aber apropos treiben lassen, ich treibe hier ja gleich zu Beginn ganz grob ab von meiner eigentlichen Aufgabe, Stichwort Rezension.

Was genau ist eigentlich Popliteratur? Vielleicht mal Dietmar Dath fragen ...

Ich bin deshalb schnell wieder heim in die heiße Wohnung, hab mir eine eiskalte Schorle gemacht und "Happy End" gelesen, das ist dieser neue Roman von Joachim Lottmann, von dem ich schon kurz andeutete, dass ich ihn am Wochenende gelesen habe, also: weitergelesen, weil angefangen hab ich damit schon am Dienstag, im ICE nach Frankfurt, auf der Fahrt zur Hochzeit meines Bruders, ich bin da hin mit meiner lieben Frau, aber erstens ist das ein anderes Thema und zweitens bin ich am Samstag auch nach dem zweiten Anlauf noch nicht fertig geworden mit dem Lesen, weil er dann beschreibt, wie ihn Matthias Matussek mit seinem ultradicken Auto vom Bahnhof abholt, und bevor ich das lese, geh ich lieber raus in die Welt und spring ein zweites Mal in die Isar, gesagt getan, schon bin ich wieder den Fluss runtergetrieben, Wasser fließt, Zeit vergeht, und jetzt ist plötzlich Dienstag, in der Literatur geht so was ja innerhalb einer Zeile, wie von Zauberhand, und ich sitz hier im SZ-Turm, im 19. Stock, meine liebe Frau ist diesmal leider nicht dabei, aber Vorteil dafür: ich jetzt vollkonzentriert, schreib endlich die Rezension, die mein Freund Christopher schon zart angemahnt hat, also der Literaturredakteur Christopher Schmidt. Ich hab ja wenige Freunde, eigentlich gar keine, schon gar keine im Literaturbetrieb, aber der Christopher (für Sie: Schmidt) ist schon so eine Art Freund und den will ich auf keinen Fall hängenlassen.

Sibylle Berg und Matthias Matussek haben Lottmann schließlich auch nicht hängenlassen, sondern sofort enthusiastische Blurbs hinten drauf geschrieben auf sein Buch: dass Lottmann ein "grandioses erzählerisches Talent" habe (Berg), dass es "um den alten Antagonismus von Kreativität und Liebe geht. Nur ist Lottmanns Antwort, meisterlich in der Form, eine gänzlich neue" (Matussek). Was das gänzlich Neue daran sein soll, meisterlich in der Form, schreibt Matussek nicht, einmal im Kreis loben kann's nicht sein, das hat der Literaturbetrieb schon vor der Erfindung des Popliteraturbetriebs gemacht.

Genau. Jetzt nämlich die Frage: Was ist eigentlich genau Popliteratur? Im Klappentext steht, Lottmann sei "durch die unbeschwerten, luftig-leichten Romane der deutschen Popliteratur, als deren Erfinder er gilt" bekannt geworden. Was genau hat Lottmann da erfunden? Vielleicht mal Dietmar Dath fragen. Der hat auch sofort eine Antwort parat: "In meinem Sinn ist heute alle Literatur aus den reichen Ländern, die sich mit dem auseinandersetzt, was hier tatsächlich los ist, Popliteratur." Dietmar Dath kann man da blind vertrauen, erstens ist er seit Langem schon bei der FAZ, zweitens ist er mittlerweile selbst ein Popgesamtphänomen. Ich selber weiß so was nicht, sondern hab das gerade aus der Wikipedia abgeschrieben, da steht das drin, im Eintrag zur Popliteratur, und die Frage ist doch: Mit was setzt sich Joachim Lottmann auseinander, was ist tatsächlich los in diesem Buch? Also jetzt, Inhalt bitte.

Johannes Lohmer lebt als Schriftsteller in Wien. Er ist extrem glücklich verheiratet, seine Frau Sissi nennt er die ganzen 352 Seiten über nur "meine liebe Frau" und Wien ist eindeutig die Stadt seiner Wahl. Finanzielle Sorgen hat dieser Lohmer seit seiner Eheschließung keine mehr, deshalb tippt er nur so rum auf seiner Schreibmaschine und so entsteht, quasi als Nebenprodukt eines rundum erfüllten Lebens, "das erste gute Buch, das ohne Leidensdruck geschrieben ist".

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