Golden Globes 2022 - die Nominierungen:Golden Globes in der Krise

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Golden Globes

Einst hielt den Golden Globe jeder Filmschaffende gern in Händen - aber heute?

(Foto: Chris Pizzello)

Die Nominierungen für den Filmpreis stehen fest. Nach diversen Skandalen der Veranstalter stellt sich aber die Frage: Welcher Star will ihn noch haben?

Von Tobias Kniebe

Die Stimme von Helen Hoehne klang beeindruckend zittrig, als ob sie gleich weinen würde. Dann holte sie den Rapper Snoop Dogg zu Hilfe, dessen Aussprache vieler berühmter Namen so wirkte, als höre er sie gerade zum ersten Mal. Gemeinsam verlasen in Beverly Hills sie die Nominierungen der Hollywood Foreign Press Association (HFPA), deren Präsidentin Helen Hoehne ist, für die 79. Golden Globe Awards. Der traditionsreiche Preis ist allerdings schwer angeschlagen, was die holprige Präsentation erklären könnte.

Die Namen der Nominierten sind erst einmal business as usual: Lady Gaga, Kristen Stewart und Nicole Kidman gehören zu den Bewerbern um den Best Actress (Drama) Award, Marion Cotillard, Jennifer Lawrence und die Newcomerinnen Alana Haim und Rachel Zegler messen sich in der Musical/Comedy-Kategorie. Bei den Männern ragen Leonardo DiCaprio, Peter Dinklage, Mahershala Ali, Benedict Cumberbatch und Denzel Washington heraus. In Fernseh- und Streamingrollen sind unter anderem Margaret Qualley, Kate Winslet, Omar Sy und Brian Cox im Rennen.

Die Veranstalter haben sich jahrelang pampern lassen, dieses Jahr flog ihnen ihr Verhalten um die Ohren

Sicher ist zwar, dass die Verleihung am 9. Januar stattfinden soll, völlig unklar aber bleibt, in welchem Format. Wird sich ein TV-Sender finden, der das alles ausstrahlen will, oder muss von der Website gestreamt werden? Werden Stars die Einladung annehmen, Dankesreden in die Kamera sprechen? Das alles ist keineswegs sicher.

Zur letzten Verleihung der Globes im Januar 2021 war die HFPA in schwere Turbulenzen geraten. Dem abgeschotteten Zirkel von weniger als hundert Hollywood-Korrespondenten wurden erpresserische Taktiken beim Umgang mit Studios und Stars vorgeworfen, Bestechlichkeit auf fremdbezahlten Einladungen und Pressereisen, die Missachtung journalistischer Verhaltensregeln und die überhaupt nicht diverse Zusammensetzung ihrer Mitgliedschaft.

In Hollywood brach sich daraufhin eine Wut Bahn, die sich offenbar lange angestaut hatte: Wichtige Entscheidungsträger drohten mit Boykott, Tom Cruise gab drei Globes zurück, mehr als 100 PR-Firmen drohten damit, ihre Stars abzuziehen, und der Sender NBC, der die Verleihung seit 25 Jahren ausstrahlte, kündigte den Vertrag. Die HFPA reagiert mit Rücktritten, Umstrukturierungen, neuen Regeln und der Ernennung eines Diversity-Beauftragten. Außerdem wurden 21 neue Mitglieder bestellt. Ob das reichen wird, um die Golden Globes zu retten, ist allerdings mehr als fraglich.

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