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"Gerhard Richter Painting" im Kino:Grau in Grau in einem anderen Licht

Sehr gezielt setzt Richter ein paar Widerhaken in die feierlich austarierten Ausstellungsräume, wenn er beispielsweise zu Kaspar König sagt, dass das Licht im Museum Ludwig richtig kalt zu sein habe und die Leute froh sein sollten, wenn sie wieder rausgehen können; sie sollten sich nicht wohlfühlen.

Vor einem der Auschwitz-Fotos an seinem Arbeitsplatz, auf dem ein Sonderkommando mit der Verbrennung der Leichen beschäftigt ist, hält er wegen der vermeintlichen Leichtigkeit der tänzelnden Körper verwundert inne und erinnert sich, dass diese Grausamkeit ihn beschäftige, seit er sie nach dem Krieg zum ersten Mal gesehen habe.

Die Cineastin muss mehr als nur ein sicheres Gespür für den richtigen Augenblick, für den Augenblick der richtigen Frage gehabt haben, es muss ein unausgesprochenes Vertrauensverhältnis geherrscht haben, andernfalls hätte sie diesem schweigsamen Künstler nicht so nahe kommen können, ohne ihm zu nahe zu treten.

Bewegend der Ausruf "Oh, the whole family!", der ihm entfährt, wenn er in der Londoner National Portrait Gallery den Raum mit den zahlreichen Familienporträts betritt.

Katechetische Fragerei

Beim Betrachten und Sortieren der Fotos aus der Kindheit fällt das von Trauer grundierte Wort von den "Gletschertoten", wenn er bekennt, die Eltern nach der Flucht nicht mehr gesehen zu haben. In der Erinnerung würden sie ja nicht mehr altern, sobald man von ihnen getrennt ist. Eine Bemerkung, die das Grau in Grau bestimmter Familienbilder in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Dieser Film über den Maler ist ein großes Dokument auch darüber, dass es eben nicht genügt, wie dies leider zu häufig in sogenannten Kulturfilmen der Fall ist, auf der einen Seite den Künstler in eine katechetische Fragerei zu verwickeln, in der Hoffnung, es würden schon ein paar verwertbare Statements dabei abfallen, und im Übrigen aus dem Off die vorgeblich unverzichtbaren 'Infos' einzuspeisen, was nur dazu führt, dass man schließlich weder den Bildern noch den Texten trauen und folgen mag. Diese Fallstricke hat Corinna Belz souverän gemieden.

GERHARD RICHTER PAINTING, D 2011 - Regie, Konzept: Corinna Belz. Kamera: Dieter Stürmer, Johann Feindt, Frank Kranstedt. Montage: Stephan Krumbiegel. Mit: Gerhard Richter, Norbert Arns, Sabine Moritz-Richter, Kasper König. Verleih: Piffl, 97 Minuten.

Der Schauspieler, Autor, Filmemacher, Verleger Hanns Zischler lebt in Berlin.

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