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"Das Schicksal ist ein mieser Verräter":Einiges erlebt, klar

Weil sie dann selbst vor die Kamera wollte, hat sie schließlich ihr ganzes Leben dort verbracht. Sie ist keines der vielen jungen Mädchen, die irgendwann aus Nebraska oder Ohio oder South Carolina nach Tinseltown kommen und von einer Karriere als Schauspielerin, Musikerin oder wenigstens Gespielin eines Promis träumen. Laura Dern war schon immer da.

Sie kennt Geschichten, die man sich stundenlang anhören könnte - weil sie einerseits tatsächlich interessant sind, vor allem aber deshalb, weil Dern sie mit einer herrlichen Beiläufigkeit ins Gespräch einfließen lässt. Die Botschaft dabei lautet stets: Wer tolle Geschichten erzählen will, der muss sie erst einmal erleben. Dern hat einiges erlebt, klar. Und sie weiß auch, dass das zu einem gewissen Teil mit ihrer privilegierten Herkunft zu tun hat.

Die meisten Geschichten von Laura Dern beginnen mit ihren Eltern und hören auch mit ihnen auf. Etwa jene, wie sie im Alter von fünf Jahren ins Bett ihrer Mutter gekrochen kam, weil sie zuvor den Film "Hush, Hush, Sweet Charlotte" gesehen hatte: "Ich sah, wie der abgetrennte Kopf meines Vaters eine Treppe hinunterrollt. Ich war fünf! Meine Mutter hat mich beruhigt und meinen Vater angerufen. Der sagte nur: 'Ja, Kleine, der Kopf ist noch drauf - alles in Ordnung.' Ich habe mir nur gedacht: Okaaaaaay! Ich bin mir sicher, dass das heute einen großen Teil meiner Rechnungen für therapeutische Sitzungen ausmacht."

Dann lacht sie, laut und fröhlich genug, um zu vermitteln, dass das nun ein Scherz war - aber dann zieht sie die Augenbrauen hoch und neigt den Kopf zur Seite. Das mit der Therapie war wohl durchaus ernst gemeint.

Sie erzählt, wie sie in der fünften Klasse vom Vater eines Spielkameraden beschimpft wurde: "Er sagte zu mir: 'Als ich hörte, dass mein Sohn dich mitbringt, da war ich nicht gerade begeistert. Dein Vater ist ein Hurensohn!'"

"Ich habe 19 Waffeln mit Bananeneis gegessen"

Der Grund für die Ablehnung: Bruce Dern ist einer der ganz wenigen Darsteller, die John Wayne auf der Leinwand erschossen haben - und das auch noch als Viehdieb. Eiskalt von hinten! In "The Cowboys" (1972) war das: "Da habe ich gemerkt, wie gut mein Vater sein muss, wenn die Menschen ihn derart mit den Figuren assoziieren, die er spielt", sagt Dern.

Und natürlich gibt es die Geschichte, wie Martin Scorsese ihr Talent entdeckt hat. Das war 1974, Scorsese drehte mit Derns Mutter den Film "Alice Doesn't Live Here Anymore". Dern war sieben Jahre alt und lungerte ohnehin andauernd am Set herum - da konnte sie auch gleich ein Mädchen spielen, das im Hintergrund Eiscreme isst. "Ich habe 19 Waffeln mit Bananeneis gegessen", sagt Dern. Scorsese sagte zu ihrer Mutter: "Wenn sie sich jetzt nicht übergibt, dann ist sie bereit, Schauspielerin zu werden." Und genauso kam es dann auch.

Sie wollte unbedingt Schauspielerin werden , ihre Mutter wollte genau das verhindern: "Sie wollte mich beschützen, weil sie wusste, wie schwierig es gerade für eine junge Frau ist, die Teenagerjahre als Schauspielerin zu verbringen."

Dern jedoch blieb stur, und sie verklagte ihre Eltern sogar, um im Alter von 13 Jahren im Punkband-Film "Ladies and Gentlemen, The Fabulous Stains" mitspielen zu dürfen. Wer glaubt, dass diese Klage - oder die Scheidung ihrer Eltern im Jahr 1969 - die Beziehung zu Mutter und Vater verschlechtert hätte, der täuscht sich. Am 1. November 2010 bekamen die drei jeweils einen Stern auf dem Walk of Fame, direkt nebeneinander.