10. CineFest in Ungarn:Festival von internationalem Format

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Doch die Freiheit des Denkens kann im "Gulasch-Orbanismus" (so der Publizist Paul Lendvai) nicht so leicht ausgeschaltet werden: Durch das Aus der Filmwoche wurde das noch junge CineFest in Miskolc seit 2004 zu Ungarns wichtigstem Filmfestival aufgewertet.

10. CineFest in Ungarn: Anthony Chen (links) und Anna Wübber präsentierten stolz die Auszeichnungen für die prämierten Filme "Ilo Ilo" und "Tore tanzt".

Anthony Chen (links) und Anna Wübber präsentierten stolz die Auszeichnungen für die prämierten Filme "Ilo Ilo" und "Tore tanzt".

(Foto: Festival)

Inzwischen ist es das einzige Filmfestival Ungarns, bei der die internationale Vereinigung von Filmkritikern Fipresci mit einer Jury vertreten ist und das regelmäßig von Filmemachern aus aller Welt beehrt wird.

Neben István Szabó, der in Miskolc für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, fand in diesem Jahr beispielsweise der Serbe Srdan Golubovic den Weg in die frühere Stahlschmiede Ungarns. Mit seinem neuen Film "Kreise" fiel er nicht nur bei der diesjährigen Berlinale und beim goEast-Festival in Wiesbaden auf, sondern gewann auch den Spezialpreis der Jury des Sundance-Festivals.

Die mangelnde Präsenz aktueller ungarischer Filme glich das CineFest bei seiner zehnten Austragung mit mit einer respektablen Auswahl neuer internationaler Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilme aus, wobei die Vorführung des diesjährigen Cannes-Gewinnerfilms"Blau ist eine warme Farbe" (La vie d'Adèle) von Abdellatif Kechiche zu den Highlights des Festivals gehörte. Die Filme des Tunesiers habe er sehr gerne, sagte Peter Muszatics aus der Festivalleitung, was unschwer daran zu erkennen war, dass sich im Programm eine ganze Kechiche-Retrospektive fand: "Ich mag einfach, wie er mit Vorlagen aus der europäischen Literatur spielt, das geht inzwischen oft verloren."

Konflikte in autoritären Systemen

Das CineFest fühlt sich besonders jungen Filmemachern verpflichtet, was in diesem Jahr dazu führte, dass im Festivalzentrum "Haus der Künste" Katrin Gebbes Cannes-Beitrag "Tore tanzt" zu sehen war, bevor er in Deutschland irgendwo gezeigt wurde.

Repräsentiert wurde der Film in Miskolc durch Kostümbildnerin Anna Wübber, für die sich der Ausflug nach Ungarn lohnte: "Tore tanzt" erhielt den "Großen Preis" des Festivals sowie den Preis der Internationalen Vereinigung der Filmklubs, FICC.

Zweiter großer Gewinner des CineFests war in diesem Jahr Anthony Chen aus Singapur, der für sein Eifersuchtsdrama "Ilo Ilo" gleich drei Mal ausgezeichnet wurde - von der Großen Festivaljury, von der Fipresci-Jury und von der Internationalen Ökumenischen Jury. Chen wurde in Cannes in diesem Jahr bereits mit der Goldenen Kamera für "Ilo Ilo" prämiert.

István Szabó war in Miskolc mit "Mephisto", "Oberst Redl" und "Hanussen" vertreten, seinen drei legendären Filmen aus den Achtzigerjahren. In der Trilogie befasst sich der Oscar-Preisträger mit dem besonderen Konflikt, in den Ausnahme-Talente, seien sie Künstler, Soldat oder Psychologe, in autoritären Systemen geraten. Für Ungarns Film- und Festivalmacher ist das im Augenblick ein besonders aktuelles Thema.

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