Streit um Documenta Fifteen:Schwierige Zukunftssicherung

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Streit um Documenta Fifteen: Besucher der Documenta Fifteen sitzen auf den Stufen des Fridericianums.

Besucher der Documenta Fifteen sitzen auf den Stufen des Fridericianums.

(Foto: Uwe Zucchi/dpa)

Die Auseinandersetzungen um Antisemitismus auf der Documenta Fifteen spitzen sich wieder zu - doch Hessens Ministerpräsident fürchtet im Falle eines Abbruchs weitreichende Folgen.

Von Catrin Lorch

Fünfeinhalb Wochen vor Ende der Documenta Fifteen spitzen sich die Auseinandersetzungen in Kassel erneut zu. Anlass sind Äußerungen des Künstlers Hamja Ahsan auf Facebook. Dort sympathisierte der Künstler mit antiisraelischen Gruppierungen, polemisierte gegen Politiker und bezeichnete unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz als "faschistisches Schwein", wie zuerst die Bild-Zeitung berichtete.

Zudem gibt es Streit um ein weiteres Motiv des Kollektivs Taring Padi, deren Banner "People's Justice" kurz nach der Eröffnung der Weltkunstschau erst verhüllt und dann entfernt worden war, weil es antisemitische Karikaturen zeigte. Besucher wollen jetzt auf dem Bild "All Mining is Dangerous" eine weitere antisemitische Darstellung entdeckt haben (eine Figur mit Kippa und langer Nase), die aber teils überklebt wurde. Die Veranstalter wiesen darauf hin, dass es sich bei der Darstellung um eine traditionelle Figur aus dem indonesischen Schattenspiel handele. Die künstlerische Leitung werde das Bildmaterial unter Beteiligung Taring Padis und unter Zugrundelegung umfangreichen Materials erläutern. "Dabei wird auch reflektiert, unter welchen Umständen es zu einer Veränderung der Bildbeiträge gekommen ist." Zum Fall Hamja Ahsan teilte die Pressestelle mit, es sei "nicht die Aufgabe der Documenta, Äußerungen von Beteiligten außerhalb der Ausstellung zu kommentieren".

Der Ministerpräsident sieht die Institution Documenta insgesamt in Gefahr

Beide Vorfälle kommen zu einer Zeit, zu der auch mit Ergebnissen der "Expertenkommission" gerechnet wird, die von den Gesellschaftern der Documenta, dem Land Hessen und der Stadt Kassel eingesetzt zur Aufarbeitung eingesetzt wurde. Die Wissenschaftler und Kunsthistoriker sollten die Ausstellung sichten und Empfehlungen aussprechen. Allerdings hatten sich Kuratoren und Künstler der Documenta schon nach der Berufung gegen Eingriffe gewehrt und vor "Zensur" gewarnt.

Politiker wie der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Müller-Rosentritt fordern nun, die Documenta "nicht länger aus Bundesmitteln zu fördern". Dies könnte eine Kettenreaktion auslösen - auch Sponsoren würden dann die Documenta als Institution beschädigt sehen, sagte der hessische Ministerpräsident Boris Rhein in einem Interview. Obwohl er selbst darauf hinwies, dass "schätzungsweise 99,9 Prozent" der geladenen Künstler "keine Antisemiten sind und auch keine antisemitische Bildsprache" zeigten, seien die Erschütterungen so groß, dass Diskussionen geführt würden, die Schau vorzeitig zu beenden. Und wenn die diesjährige Ausgabe abgebrochen würde, "wäre dies das Ende der Documenta."

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