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Discounter-Erbin im Achenbach-Prozess:"Kunst kann man sich wenigstens anschauen"

Betrugsprozess gegen Kunstberater Achenbach

Die als Zeugin geladene Babette Albrecht, Witwe des 2012 verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht, betritt im Januar 2015 in Essen den Gerichtssaal beim Prozeß gegen den Kunstberater Achenbach.

(Foto: Ina Fassbender/dpa)

Die Kunst war wohl nicht unbedingt die größte Passion von Babette Albrecht. Und ihr Mann habe auch deshalb investiert, weil die "klassischen Zinsen" der Banken nur wenig hergaben. "'ne Aktie ist 'ne Aktie. Kunst kann man sich wenigstens anschauen", sagt sie einmal, und man wollte es halt auch richtig machen. "Wenn wir schon Kunst kaufen, wäre es schön, wenn auch ein Richter dabei ist."

Es werden dann gleich mehrere. Und Gründe, sich für ein Bild zu interessieren, gibt es immer. Weil die Kinder der Albrechts in Großbritannien sind, schlägt Achenbach vor, "doch wenigstens England im Zimmer zu haben". Also zahlt man 950 000 Euro für die "London Tower Bridge". Achenbach machte aus den Dollar auf der Originalrechnung einfach Euro, mit dem Kopierer. "Collagen", nennt Achenbach die Fälschungen. So, als sei er selbst ein kleiner Künstler. Und kein mutmaßlicher Betrüger.

Einmal, so sagt Albrecht, habe man über ein Werk von Picasso gesprochen mit drei Mädchen drauf. Eine zu wenig, fand die Erbin, die vier Töchter hat. Nach ihrer Aussage ist nicht mehr viel übrig von dem Bild, das die Aldi-Familie gerne von sich zeichnete: dass die Gründer so sparsam gewesen seien wie die Einrichtung ihrer Läden. Die Erben haben es doch ziemlich krachen lassen. Für etwa 120 Millionen Euro ließen Berthold und Babette Albrecht einkaufen. Für einen Ausflug in die Schweiz musste ein Allrad-Bentley her.

Irgendwann hatte Berthold Albrecht genug von Kunst und stieg auf Oldtimer um. Den Anfang machte ein Mercedes 380 k aus dem Jahr 1934. Mit ihm flogen die Albrechts nach Kuwait zu einem Autotreffen, bei dem sie zwei Preise gewannen.

Was denn so ein Preis bedeute, will der Richter wissen. "Das ist wie ein Sechser im Lotto", sagt Babette Albrecht. Es ist wohl eine Frage der Perspektive. Bei einem anderen Wettbewerb in Pebble Beach gab es nur den "kleinen Preis", weil der Konkurrent noch das original Krokoleder hatte. Das sei für sie und ihren Mann eine schlimme Enttäuschung gewesen, sagt Albrecht. "Konnten sie wenigstens an der Gewinnerausfahrt auf der Strandpromenade teilnehmen?", fragt der Richter besorgt. Das konnten sie, Gott sei Dank.

Alles eine große Last

Weil Albrecht so zufrieden war mit den Autokäufen des Kunstberaters, schenkte er ihm einen Mercedes 300 Cabriolet für etwa 150 000 Euro. Doch als er geliefert wurde, war zu wenig Benzin drin, der Wagen blieb auf der Rückfahrt nach Düsseldorf stehen.

"Ich bin ein guter Autofahrer", sagt Babette Albrecht. "Aber die großen Mercedes sind sehr groß." Weil ihr Mann mit 1,98 Meter zum Beispiel nicht in den zwölf Millionen Euro teuren 540 k Spezial passte, habe sie den Wagen lenken müssen und auch viele andere. Sie seien sehr schwer zu bedienen, manche hätten Zwischengas. Es sei alles eine große Last. "Wie war das mit dem Blinken?", fragt der Richter einfühlsam. Aber auch das Blinken war wirklich schwierig. Man macht sich ja keine Vorstellung.

Babette Albrecht selbst wünschte sich einen Jaguar in einer ausgefallenen Farbe ("schwarze und rote hatte jeder") und mit Automatik, weil das "bequemer" sei. Achenbach besorgte einen, bei dem es leider durchregnete. Enttäuschend.

Als Achenbach den milliardenschweren Erben kennen lernte, war der schon ein kranker Mann, der manchmal vielleicht auch nicht mehr ganz Herr seiner Sinne war. Im Jahr 2012, als es schon schlimm um ihn stand, schickte Achenbach weiter SMS mit Bilden von Ferraris. "Ich fand das nicht gut. Er hat trotzdem weiter gemacht."

Albrecht kaufte Autos, die er nie gesehen hat. In die er nicht einmal rein passte. Als es ihm kurz ein wenig besser ging, versuchte Albrecht in der Schweiz eine Probefahrt. Der grüne Ferrari war so eng, dass er sich am Arm verletzte. "Da hat er geweint. Das war doch sein Trostpflaster", die Autos, sagt seine Witwe. Wenige Monate später war er tot.