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Die CDs der Woche - Popkolumne:Comeback und Knödelei

Kreisky

Das Album "Blick auf die Alpen" von Kreisky.

(Foto: Wohnzimmer Records)

Kreisky glänzen beim "Blick auf die Alpen" mit einzigartiger Schlagwortdichte, Kate Bush kehrt nach drei Jahrzehnten auf die Bühne zurück und Shakira bleibt auch auf ihrem neuen Album beim leichten Erkältungsknödeln. Die Popkolumne - zum Lesen und Hören.

Kreisky

Bevor wir die Frage vergessen: Hat eigentlich schon irgendwer einen Song zur Krim-Krise gemacht? Ukrainische Rapper zählen nicht, obwohl zuletzt ja verdächtig wenige von ihnen in den deutschen Medien auftauchten (bei den Rebellionen in Tunesien und Ägypten war das anders - gibt es in der Ukraine ein Hip-Hop-Problem?). Und natürlich hatte die Band Kreisky noch keine Ahnung vom Donnerwetter, als sie ihr neues Stück "Pipelines" vollendete. Aber was die Wiener hier singen, über, tja, Pipelines, Raffinerien und Kraftwerke, über den Zusammenhang zwischen Technologie, Körper und Landnahme, Sex und Unterwerfung, das klingt auf gruselige Art nach der Freud'schen Interpretation des Konflikts.

Auch musikalisch ist das eine phänomenale Legierung aus schlecht ausgeschlafenem Avantgarde-Rock und erlösungssüchtigem Beat à la "Twist and Shout", wie überhaupt das ganze, durch und durch großartige Kreisky-Album "Blick auf die Alpen" (Buback Tonträger). Sänger Franz Adrian Wenzl, der nebenher unter dem Namen Austrofred Queen-Songs mit österreichischen Texten aufführt, ist als Sprücheklopfer, Theaterkasperl und Horrorvisionär ein in Deutschland bisher übersehenes Talent. Und Kreisky stehen mit ihrer Schärfe, ihrer miesepetrigen Sehnsucht, ihrer Schlagwortdichte in diesem Frühjahr relativ einzigartig da.

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